

Fast jede zweite Krankenkasse hat zum Jahreswechsel ihre Beiträge erhöht; im Schnitt liegt der Beitragssatz aktuell bei 17,5 Prozent. Mit Spannung werden daher die ersten Ergebnisse der FinanzKommission Gesundheit erwartet, die Ende März vorliegen und maßgebliche Kostentreiber und Ineffizienzen aufdecken sollen. Der Bundesverband deutscher Physiotherapeuten – IFK e. V. mahnt, die Finanzsituation nicht mit Instrumenten lösen zu wollen, die schon vor Jahrzehnten nicht funktioniert haben. Stattdessen muss die interprofessionelle und sektorenübergreifende Zusammenarbeit optimiert werden – und das mit Gesetzesanpassungen, die verbindliche Regelungen für die verschiedenen Leistungserbringer vorschreiben.
Die GKV befindet sich aktuell in einer schweren, andauernden Krise, weil sie immer höhere Ausgaben stemmen muss. Die Stimmen nach gesetzlichen Regelungen wie einem Ausgabenmoratorium oder der Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung werden immer lauter. Im Sofortprogramm der Techniker Krankenkasse (TK) von September 2025 heißt es beispielsweise, die im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) beschlossene dauerhafte Abschaffung der Grundlohnsummenbindung bei Kassenverhandlungen habe nicht zu höheren Gehältern in den Physiotherapiepraxen geführt – der erwünschte Effekt sei also ausgeblieben. Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des IFK, stuft eine Rückkehr zu diesem Instrument als immensen Rückschritt für den Heilmittelbereich ein: „Dieser Ansatz ist ein Relikt aus den 80er-Jahren und wir alle wissen, dass die Grundlohnsummenbindung verantwortlich dafür war, dass sich die Gehälter im Heilmittelbereich deutlich schlechter entwickelt haben als der Durchschnitt. Veränderungen sind richtig und wichtig, aber nicht mit Instrumenten, die schon vor Jahrzehnten nicht funktioniert haben.“ De facto würde diese Rückkehr eine Reihe an schwerwiegenden Folgen nach sich ziehen. Der Fachkräftemangel würde weiter vorangetrieben und in der Folge zu noch größeren Versorgungslücken führen. Kurzfristig resultieren daraus noch längere Wartezeiten auf Patientenseite, langfristig belastet dies das gesamte Gesundheitssystem. Denn kommt es zu einer physiotherapeutischen Unterversorgung, könnte dies dazu führen, dass gesundheitliche Beschwerden nicht oder zu spät therapiert werden und zum Beispiel durch chirurgische Eingriffe, die meist kostenintensiver und riskanter sind, behoben werden müssen.
Auch Leistungskürzungen als Sparmaßnahmen werden zurzeit immer wieder ins Gespräch gebracht, hätten jedoch ähnliche Folgen wie oben skizziert. Die Versorgung bestimmter Patientengruppen würde erschwert und der Behandlungserfolg gefährdet, wenn Leistungen wegfallen oder Therapiezeiten beziehungsweise Behandlungseinheiten gekürzt werden. „Nehmen wir als Beispiel den Kreuzbandriss, der in der Regel operativ durch eine Kreuzbandplastik und anschließend durch einen mehrstufigen Prozess mit Physiotherapie behandelt wird, um die volle Funktionsfähigkeit wiederzuerlangen. Fallen Behandlungseinheiten aus oder werden gekürzt, leidet die engmaschige Betreuung und der Muskelaufbau. Das Risiko eines erneuten Risses steigt, die frühzeitige Entstehung von Arthrose droht und somit natürlich auch die Gefahr von chronischen Schmerzen. Dieser Leidensprozess hat nicht nur Krankschreibungen zur Folge, sondern auch weitere Kosten durch Operationen, Schmerzmittel und Ausfallzeiten,“ verdeutlicht Repschläger, die selbst praktizierende Physiotherapeutin ist. Kurz gesagt: Spart man an dieser Stelle, steigen die Kosten an anderer Stelle. Zudem hätten Kürzungen unmittelbare Auswirkungen auf das Ansehen und Selbstverständnis der Physiotherapie, da die dann gelebte physiotherapeutische Arbeit nicht mehr den eigentlichen Kompetenzen entspricht. Das kommt einer Abwertung des Berufsbildes gleich.
Strukturierte Modernisierung, interprofessionelle Zusammenarbeit und gesetzliche Weichenstellungen für eine zukunftsfeste Versorgung
„Um unsere Versorgung zukunftsfest zu machen, muss sie umstrukturiert und modernisiert werden“, drängt IFK-Vorstandsvorsitzende Repschläger. „Es ist nicht so, dass wir bei null anfangen müssen. Unser oberstes Ziel sollte sein, die vorhandenen Ressourcen umzuverteilen und besser zu nutzen. Eine Stellschraube stellt hier die interprofessionelle und sektorenübergreifende Zusammenarbeit dar.“ Optimierte, berufsübergreifende Prozesse verbessern nachweislich die Qualität und senken Kosten. Ein besserer Informationsaustausch ermöglicht es, relevante Daten schneller zu teilen, Behandlungsziele abzustimmen und Maßnahmen enger zu verzahnen. Hierfür braucht es Gesetzesanpassungen, die verbindliche Regelungen für die verschiedenen Leistungserbringer vorschreiben. Auch die Befugniserweiterung, zum Beispiel durch die Einführung des Direktzugangs oder die Erweiterung der Verordnungserlaubnis auf die Heilmittelerbringer, würden zu einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Ressourcen führen, da Patienten ohne Umwege über Hausärzte oder andere Zwischenstufen die Leistungen von Physiotherapeuten in Anspruch nehmen könnten und Hausarztpraxen entlastet werden. Um die Finanzlage der GKV zeitnah zu entspannen, bevor die strukturellen Änderungen ihre volle Wirkung entfalten, muss aus Sicht des Berufsverbands auch das Thema versicherungsfremde Leistungen unbedingt angegangen werden. „Es kann nicht sein, dass es zu Leistungskürzungen für die Solidargemeinschaft der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten kommt. Wenn es um Aufgaben geht, die von gesamtgesellschaftlichem Interesse sind, muss der Staat diese selbst finanzieren und darf sie nicht von den Beitragszahlenden mitfinanzieren lassen,“ kritisiert Repschläger. Der IFK als Mitglied des Spitzenverbands der Heilmittelverbände e. V. (SHV) fordert daher, diese Leistungen zu 100 Prozent über den Staat finanzieren zu lassen.
Diese Vorschläge finden sich auch im Fragebogen wieder, den der IFK mit dem SHV bei der FinanzKommission Gesundheit eingereicht hat. Der Fragebogen wurde unter anderem an die Heilmittelverbände und die GKV mit dem Ziel verschickt, Einsparpotenzial aufzudecken. „Alle Leistungserbringer – auch wir Physiotherapeuten – sollten bei den anstehenden Veränderungen und uns betreffenden Themen mitreden, mitgestalten und unsere Expertise einbringen dürfen, um jetzt gemeinsam mit der Politik und gleichberechtigt zu anderen Akteuren im Gesundheitswesen den Grundstein dafür zu setzen, dass die Versorgung von morgen gut gelingen kann“, appelliert Repschläger.
Rückenschmerzen sind nach wie vor die häufigste Form chronischer Schmerzen in Deutschland. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) nutzt den Tag der Rückengesundheit am 15. März, um für eine bessere Prävention und Versorgung zu sensibilisieren. Dr. Richard Ibrahim, Orthopäde, Schmerzmediziner und DGS-Präsident, erklärt, warum der Weg von der Hausarztpraxis zu spezialisierten Medizinern entscheidend ist – und warum moderne Schmerztherapie heute weit mehr ist als Tabletten und Operationen.
Frage: Herr Dr. Ibrahim, was sind derzeit die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen?
Dr. Richard Ibrahim: Rückenschmerz ist ein Symptom mit unterschiedlichen Ursachen. Von Muskel- und Gelenkproblemen bis hin zu Veränderungen im Bereich des Spinalkanals kann vieles eine Rolle spielen. Zuletzt sahen wir vor allem unfallbedingte Rückenschmerzen – etwa durch Stürze beim Wintersport oder auf vereisten Wegen. Wenn man nicht richtig reagiert, können daraus leider schnell chronische Beschwerden werden.
Frage: Ab wann spricht man von chronischem Rückenschmerz – und was bedeutet das für Betroffene?
Dr. Richard Ibrahim: Chronisch bedeutet zunächst nur, dass Schmerzen länger als drei bis sechs Monate bestehen. Das ist keine Prognose, sondern eine zeitliche Definition. Entscheidend ist, dass in dieser Phase neben körperlichen Faktoren auch Schlafstörungen, Stress, Ängste oder depressive Verstimmungen eine Rolle spielen. Schmerz entwickelt sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Deshalb braucht es eine multimodale Therapie, die Bewegung, medizinische Behandlung und psychologische Aspekte kombiniert.
Frage: Wann reicht die Behandlung durch Haus- oder Fachärzte nicht mehr aus?
Dr. Richard Ibrahim: Das Versorgungssystem ist sinnvoll gestuft aufgebaut. Aber wenn Schmerzen chronisch werden und Standardtherapien nicht greifen, sollte eine spezialisierte Schmerztherapie erfolgen. Hier kommen auch Fachärzte an ihre Grenzen, daher sollte man sich zu einem Arzt oder einer Ärztin mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ überweisen lassen. Dort stehen deutlich erweiterte Therapieoptionen zur Verfügung – etwa spezialisierte medikamentöse Strategien, interventionelle Verfahren oder strukturierte multimodale Programme.
Frage: Wann ist eine Operation nötig? Und wie findet man Spezialisten?
Dr. Richard Ibrahim: Akute Fälle mit Warnsignalen wie Lähmungen, Schwäche in den Beinen oder Entzündungen erfordern rasches Handeln. In solchen Fällen kann eine Operation notwendig sein, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Bei chronischen Rückenschmerzen gilt jedoch: Zunächst werden alle konservativen und multimodalen Therapieoptionen ausgeschöpft. Schmerzmedizin arbeitet interdisziplinär – wir stimmen uns eng mit Orthopädie, Neurochirurgie, Psychologie und weiteren Fachrichtungen ab. Eine operative Maßnahme erfolgt nur dann, wenn sie medizinisch wirklich indiziert ist und im gemeinsamen Konsens aller beteiligten Disziplinen sinnvoll erscheint.
Frage: Viele Betroffene wünschen sich vor allem eines – schmerzfrei zu sein. Wie realistisch ist das?
Dr. Richard Ibrahim: Der Wunsch nach Schmerzfreiheit ist absolut verständlich. Unser Ziel ist es jedoch in vielen Fällen zunächst, Schmerz zu reduzieren und Funktion wiederherzustellen. Chronischer Schmerz lässt sich nicht immer „wegoperieren“ oder „wegmedikamentieren“. Entscheidend ist, dass Patienten wieder aktiv werden, Bewegung nicht aus Angst vermeiden und lernen, mit dem Schmerz umzugehen, ohne dass er ihr Leben bestimmt.
Frage: Welche Rolle spielen KI und digitale Gesundheitsanwendungen dabei?
Dr. Richard Ibrahim: Digitale Tools sind eine wichtige Ergänzung. In der ärztlichen Sprechstunde bleibt oft wenig Zeit für ausführliche Erklärung oder wiederholte Anleitung. Rückenschmerz-Apps auf Rezept, Podcasts oder virtuelle Anwendungen ermöglichen es, Inhalte zu vertiefen, Übungen regelmäßig durchzuführen und Ängste vor Bewegung abzubauen. KI erkennt dabei Fehlhaltungen und passt Übungen individuell an. Die digitalen Hilfsmittel ersetzen keine ärztliche Behandlung – aber sie unterstützen sie. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen kann das helfen, langfristig Verhaltensänderungen zu stabilisieren.
Frage: Wo finden Betroffene Orientierung?
Dr. Richard Ibrahim: Informationen bietet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin über ihre Website (www.dgschmerzmedizin.de) und ihre Landeszentren in allen Bundesländern. Haus- und Fachärzte können zudem gezielt an spezialisierte Schmerzmediziner überweisen.
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Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in Deutschland – und kaum ein Bereich ist so stark von Mythen und Halbwahrheiten begleitet wie der Rücken. Zum Tag der Rückengesundheit am 15. März 2026 möchte Physio Deutschland wissenschaftlich fundiert mit weitverbreiteten Irrtümern aufräumen.
Warum Aufklärung wichtig ist
Rückenschmerzen betreffen Menschen aller Altersgruppen und gehören weltweit zu den führenden Gründen für Arbeitsausfälle und eingeschränkte Lebensqualität. Trotzdem lassen sich die meisten Beschwerden weder auf schwere Schäden noch auf akute Verletzungen zurückführen. Tatsächlich sind unspezifische Rückenschmerzen – also Schmerzen ohne eindeutige strukturelle Ursache – mit Abstand am häufigsten. Aktuelle Leitlinien belegen, dass die Beschwerden durch in
Zusammenspiel aus körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren entstehen können. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen zudem, dass sich die meisten Betroffenen gut erholen, wenn sie frühzeitig aktiv bleiben, Bewegung in den Alltag integrieren und Unterstützung im Selbstmanagement erhalten. Eine reine Fokussierung auf Gewebeschäden, Abnutzung oder Bildgebung greift hingegen zu kurz und verunsichert viele Menschen unnötig.
Physiotherapeut*innen arbeiten deshalb zunehmend mit einem bio-psycho-sozialen Ansatz, der körperliche Faktoren, Stress, Schlaf, Lebensstil und Bewegungsverhalten gleichermaßen berücksichtigt. Physiotherapeutin Vera Schwermer-Funke aus der Arbeitsgemeinschaft Prävention von Physio Deutschland betont: „Unser Ziel ist es, Ängste abzubauen, Patient*innen zu stärken und ein nachhaltiges, gesundes Bewegungsverhalten im Alltag zu etablieren. Wissen, gezielte Bewegung und der Aufbau von generalisierten Gesundheitsressourcen bilden dabei die zentralen Elemente einer erfolgreichen Rückentherapie.“
Durch verständliche Aufklärung und praxisnahe Anleitung werden Betroffene befähigt, ihre Beschwerden aktiv zu beeinflussen und langfristig eigenverantwortlich zu handeln. Physiotherapeut*innen nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein: Als Multiplikator*innen für evidenzbasiertes Wissen tragen sie dieses an unterschiedliche Zielgruppen weiter, fördern Gesundheitskompetenz und unterstützen Patient*innen dabei, Sicherheit im Umgang mit ihrem Körper zu entwickeln. „Die Wirbelsäule ist robust, anpassungsfähig und dafür gemacht, bewegt zu werden“, sagt Vera Schwermer-Funke. Vor diesem Hintergrund räumt Physio Deutschland mit fünf populären Mythen auf – erklärt und informiert darüber, was heute wirklich als evidenzbasiert gilt.
Mythen auf der Spur
Mythos 1: „Wenn mein Rücken stark schmerzt, muss etwas ernsthaft kaputt sein.“Ein häufiger Irrtum: Viele Menschen glauben, Schmerzen seien direkt mit Gewebeschäden gleichzusetzen. Doch Studien zeigen, dass selbst etwa 85 Prozent der akuten oder starken Rückenschmerzen in der Regel keine ernsthafte oder gefährliche Schädigung bedeuten. „Schmerz ist komplex, oft ein sogenanntes multifaktorielles Geschehen und kein zuverlässiger Gradmesser dafür, ob und wie stark der Rücken strukturell betroffen ist“, erklärt Vera Schwermer-Funke.
Mythos 2: „Bettruhe ist das Beste bei Rückenschmerzen.“ Lange Zeit galt Schonung als erste Wahl – heute weiß man es besser. Zwar können kurze Ruhephasen direkt nach einer akuten Überlastung entlastend wirken, doch längere Bettruhe und Inaktivität können Beschwerden verlängern. Eine schrittweise, moderate Rückkehr zu Aktivität und Bewegung beschleunigt nachweislich die Genesung und wirkt einer Chronifizierung entgegen. Schwermer-Funke: "Bewegung und angepasstes Training hilft dem Rücken und dem gesamten Körper, baut Vertrauen in die eigene Belastbarkeit wieder auf und vermittelt Sicherheit.“
Mythos 3: „Ein MRT zeigt mir, was wirklich mit meinem Rücken los ist.“ Moderne Forschung zeigt klar: Bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie (MRT) oder Röntgen sind bei den meisten Rückenschmerzpatient*innen nicht hilfreich. Viele angeblich „auffällige Befunde“, darunter Bandscheibenveränderungen oder Arthrose, kommen ganz normal auch bei Menschen ohne Beschwerden vor. „Bilder erklären selten den Schmerz. Man weiß dann nur, wie es im ‚Inneren‘ aussieht. Aber das sagt alleine nichts über die Symptome aus. Manchmal bringt das Wissen darüber auch neue Ängste und Symptome hervor“, so Vera Schwermer-Funke und ergänzt: „Entscheidend sind Funktionsfähigkeit, Bewegung und das, was Patienten im Alltag tatsächlich erleben.“
Mythos 4: „Bücken und Heben sind gefährlich für den Rücken.“ Der Rücken ist äußerst belastbar und anpassungsfähig. Es gibt keine gesicherten Hinweise, dass normales Bücken oder Heben langfristige Schäden verursacht. Die Wirbelsäule ist für vielfältige Belastungen ausgelegt, und gezieltes Training verbessert die Fähigkeit, auch schwerere Lasten sicher zu bewegen. „Es gibt keine verbotenen Bewegungen – nur ungewohnte. Regelmäßiges Training macht sie leichter. Patient*innen sollen sich sorglos bewegen und nicht in Angst verfallen und sich versteifen“, betont Vera Schwermer-Funke.
Mythos 5: „Nur Schmerzmittel oder eine Operation helfen wirklich.“ Wissenschaftlich ist belegt, dass starke Schmerzmittel die Erholung nicht beschleunigen, und Operationen bei unspezifischen Rückenschmerzen selten notwendig sind. Stattdessen empfehlen Leitlinien Selbstmanagement, Bewegung, Physiotherapie und gezieltes Training als wirksamste Maßnahmen – mit deutlich geringerem Risiko. Schmerzmittel können kurzfristig unterstützen, beschleunigen aber die Genesung nicht. „Aktive Therapieansätze wirken besser als passive“, fasst Vera Schwermer-Funke zusammen.
Fazit: Mit Aufklärung den Rücken stärken
Physio Deutschland ruft zum Tag der Rückengesundheit dazu auf, Rückenschmerzen mit fundiertem Wissen zu begegnen. Wer Mythen hinter sich lässt und moderne, evidenzbasierte Empfehlungen berücksichtigt, stärkt nicht nur seinen Rücken, sondern auch das Selbstvertrauen in den eigenen Körper.
Musik an, Alltag aus. Kaum etwas bringt Menschen so mühelos in Bewegung wie ein guter Rhythmus. „Tanzen ist Emotion – und ich liebe Emotion“, bringt es Ross Antony, Promi-Kandidat in der aktuellen Staffel der beliebten Tanzshow Let’s Dance, im Video-Interview mit RTL auf den Punkt. Kein Wunder also, dass in Deutschland mehr als 200.000 Menschen in 2.000 Vereinen das Tanzbein schwingen – vom Freizeit- bis zum Leistungssport. „Tanzen ist Lebensfreude pur – wer tanzt, spürt den Moment, lässt den Alltag los und findet zu sich selbst“, bestätigt auch Gaby Michel-Schuck vom Deutschen Tanzsportverband (DTV). „In unseren Vereinen erleben wir täglich, wie Tanzen Menschen jeden Alters selbstverständlich in Bewegung bringt, weil es Emotion und Gemeinschaft auf einzigartige Weise verbindet.“ Unter dem Motto „Rück’n’Roll – Bring Bewegung in dein Leben“ ruft die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. als Initiatorin des Tags der Rückengesundheit gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e.V. am 15. März dazu auf, den Spaß an der Bewegung neu zu entdecken. Bundesweit laden neben zahlreichen Tanzschulen auch Rückenschulen, Praxen und Fitnessstudios zu Mitmachaktionen, Vorträgen und Workshops ein.
Mehr als 60 Prozent der Deutschen sind laut Robert Koch-Institut mindestens einmal im Jahr von Rückenschmerzen betroffen, über 15 Prozent leiden an chronischen Rückenschmerzen. Mehr Bewegung im Alltag wäre laut Expertinnen und Experten die beste und einfachste Form der Vorbeugung, auch gegen viele andere Erkrankungen. Studien zeigen: Schon 75 Minuten Bewegung pro Woche bei leichter bis mittlerer Intensität können einen gesundheitlichen Nutzen bringen.: „Tanzen ist dafür ideal, weil es einfach Spaß macht. So wird körperliche Aktivität im Alltag von der Pflicht zur persönlichen Auszeit“, betont Ulrich Kuhnt, Vorsitzender im Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e.V.
Tanzen trainiert den Rücken ganz nebenbei
Ob Tango, Walzer, Hip-Hop oder auch Freestyle in Club oder Disco: Tanzen eignet sich für jedes Alter und jedes Fitnesslevel – im Verein, im Tanzkurs, bei einer Veranstaltung oder einfach zu Hause zur Lieblingsmusik. Wer gerne tanzt, absolviert damit unbewusst ein abwechslungsreiches Ganzkörpertraining. Drehungen, Gewichtsverlagerungen und fließende Bewegungen aktivieren und stärken die Rumpf- und Rückenmuskulatur, fördern Koordination, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung und wirken so Rückenproblemen langfristig entgegen. Gleichzeitig verbessert Tanzen die Haltungsstabilität und hilft, Verspannungen und Schmerzen vorzubeugen, weil viele Muskelgruppen gleichmäßig aktiviert werden.
Tanzen ist die beste Medizin
„Tanzen ist eine der wenigen Bewegungsformen, die Körper, Gehirn und Psyche gleichzeitig trainieren“, sagt Kuhnt. Entsprechend umfassend sind die gesundheitlichen Effekte: Tanzen schützt nicht nur vor Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenschmerzen, sondern stärkt auch Herz und Kreislauf, verbessert den Blutzuckerstoffwechsel, unterstützt bei Gewichtsproblemen, wirkt stimmungsaufhellend und stressreduzierend. Zudem fördert es Balance und Reaktion und kann so Stürzen im Alter vorbeugen. Bei Parkinson, Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen wird Tanzen sogar gezielt zur Prävention und Therapieergänzung eingesetzt, weil es Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Koordination trainiert und soziale Kontakte fördert.
Jeder kann Schwung in seinen Alltag bringen
„Einfacher geht es nicht: Musik einschalten, ein paar Schritte tanzen, zwischendurch in Bewegung kommen – all das kann helfen, den Rücken zu entlasten“, sagt Kuhnt. Rund um den 15. März 2026 finden bundesweit zahlreiche Aktionen statt, bei denen Interessierte verschiedene Bewegungsangebote ausprobieren können. Rückenschulen, Praxen, Vereine sowie Fitnessstudios und Tanzschulen laden zu Workshops, Schnupperkursen und Mitmachaktionen ein. Eine Übersicht der Veranstaltungen bietet der Online-Kalender unter www.agr-ev.de/tdr. Die AGR stellt dort auch kostenloses Informationsmaterial bereit – darunter eine Broschüre mit praxisnahen Tipps und wissenschaftlich fundierten Hintergrundinformationen rund um Rückengesundheit und Bewegung.