

Mit der Verabschiedung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes hat der Gesetzgeber eine gesundheitspolitische Entscheidung getroffen, vor deren Auswirkungen der Spitzenverband der Heilmittelverbände e.V. (SHV) gemeinsam mit zahlreichen Akteuren des Gesundheitswesens wiederholt gewarnt hat. Bis zuletzt hat sich der SHV mit Stellungnahmen, politischen Gesprächen und konkreten Vorschlägen dafür eingesetzt, die vorgesehenen Sparmaßnahmen im Heilmittelbereich abzuwenden.
Der SHV sieht die beschlossenen Regelungen kritisch. Einsparungen bei den Heilmittelerbringern lösen die strukturellen Herausforderungen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht. Vielmehr besteht die Gefahr, dass sie die ambulante Versorgung schwächen und bestehende Versorgungsengpässe weiter verschärfen.
Der SHV hat im Gesetzgebungsverfahren deutlich gemacht, dass nachhaltige Effizienzsteigerungen nicht durch kurzfristige Sparmaßnahmen erreicht werden können. Erforderlich sind vielmehr grundlegende Strukturreformen, die vorhandene Kompetenzen im Gesundheitswesen stärker nutzen als bislang und damit die Versorgung zukunftsfähig gestalten.
Vor diesem Hintergrund richtet der SHV seinen gesundheitspolitischen Fokus nun auf die angekündigten Vorschläge der Finanzkommission II des Bundesministeriums für Gesundheit, die Ende des Jahres erwartet werden. Aus Sicht des SHV müssen dort nachhaltige Lösungen entwickelt werden, die Qualität, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit gleichermaßen stärken.
Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sprachtherapeuten und Podologen verfügen über ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz und begleiten Patientinnen und Patienten häufig über lange Zeiträume. Durch ihren engen Kontakt in den unterschiedlichen Lebenswelten erkennen sie gesundheitliche Veränderungen frühzeitig und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Prävention, Therapie und Sicherung der Versorgungsqualität.
Diese Kompetenzen müssen künftig deutlich stärker in einer modernen, kompetenzbasierten Primärversorgung genutzt werden. Der SHV ist überzeugt, dass eine stärkere Einbindung der Heilmittelerbringer nicht nur die Versorgungsqualität verbessert, sondern zugleich dazu beitragen kann, Ressourcen im Gesundheitswesen effizienter einzusetzen und die Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht zu versorgen.
Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen für die Heilmittelberufe nachhaltig verbessert werden. Attraktivere Arbeitsbedingungen und verlässliche Perspektiven können dazu beitragen, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen und langfristig eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Hierzu gehört insbesondere die seit Langem überfällige Neufassung der Berufsgesetze, die den Anforderungen einer modernen und kompetenzorientierten Heilmittelversorgung gerecht werden muss.
Der SHV wird sich auch weiterhin aktiv in den gesundheitspolitischen Dialog einbringen und konkrete Vorschläge für eine zukunftsfähige Ausgestaltung der Heilmittelversorgung entwickeln.
Mit den ersten warmen Tagen zieht es Hobby-Sportler wieder vermehrt nach draußen: Laufen, Radfahren, Yoga im Park. Vor und nach dem Sport wird gedehnt – oft ausgiebig, oft aus Gewohnheit. Aber bringt das wirklich etwas? Und hilft Dehnen auch gegen Rückenbeschwerden? Eine aktuelle Auswertung von Prof. Dr. Jan Wilke, Leiter des Lehrstuhls für Neuromotorik und Bewegung an der Universität Bayreuth und Experte der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V., räumt mit gängigen Mythen rund ums Dehnen auf. „Dehnen ist auch für den Rücken kein pauschales Allheilmittel. Es sollte sinnvoll und gezielt eingesetzt werden“, fasst Wilke zusammen. Die Forschung liefert konkrete, praxisnahe Empfehlungen für Alltag und Sport.
Dehnen gehört für viele zum Sport wie das Aufwärmen oder die Trinkflasche. Doch wann, wie lange und mit welcher Technik gedehnt werden sollte, wird unter Fachleuten kontrovers diskutiert. Prof. Wilke und sein internationales Forscherteam haben dazu aktuelle wissenschaftliche Studien analysiert und konkrete Empfehlungen abgeleitet.
Mythos 1: Je intensiver, desto besser
Mehr ist nicht automatisch besser. Das gilt sowohl für die Intensität des Dehnens als auch für die Beweglichkeit selbst. Wie viel Dehnen tatsächlich hilft, hängt von Ziel, Methode und Dauer ab. „Allgemein gilt: Wenn es um den langfristigen Erfolg geht, ist Regelmäßigkeit wichtig. Wer die Effekte erhalten will, muss mehrmals die Woche dehnen“, rät Prof. Wilke. Und selbst wer beweglicher wird, hat seinem Rücken damit nicht automatisch etwas Gutes getan. Viele Menschen gehen davon aus, dass ein flexibler Körper weniger anfällig für Rückenbeschwerden ist, doch Beweglichkeit ohne Muskelstärke kann sogar nachteilig sein: Das Ungleichgewicht erzeugt Stabilitätsprobleme und belastet den Rücken zusätzlich. Für einen gesunden Rücken zählt die Kombination aus Flexibilität und muskulärer Stabilität.
Mythos 2: Dehnen vor dem Sport beugt Verletzungen vor
Studien zeigen, dass Dehnen keinen verlässlichen Schutz vor Verletzungen bietet. Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass statisches Dehnen vor Belastung die Kraft vermindern könnte. Vor allem für schnelle oder explosive Sportarten ist dies von Nachteil. „Direkt vor dem Sport gilt: Wer sich dehnen möchte, sollte eher dynamisch federnde Stretches wählen oder beim statischen Dehnen die Dauer sehr kurz halten“, rät Prof. Wilke. „Alternativ tut es in vielen Fällen auch ein allgemeines Warm-up ohne Dehnübungen.“ Zehn bis fünfzehn Minuten Übungen wie Ausfallschritte, Beinpendel oder Armkreisen genügen, um den Körper gezielt auf die Belastung einzustimmen. Statisches Dehnen entfaltet seine Wirkung besser unabhängig vom eigentlichen Training, zum Beispiel in separaten Stretch-Einheiten. Bei sehr langen Dehndauern von mindestens sieben Minuten und fünf Einheiten pro Woche lassen sich so die Muskelsteifigkeit reduzieren und die Gefäßelastizität verbessern.
Mythos 3: Dehnen fördert die Regeneration
Dehnen nach dem Sport verringert Muskelkater nicht und beschleunigt auch nicht die Regeneration, wie viele glauben. Besonders nach intensiver Belastung der Rückenmuskulatur, etwa nach schwerem Heben, langer Gartenarbeit oder einem ausgedehnten Lauf, kann statisches Dehnen die beanspruchten Muskeln sogar zusätzlich reizen und Beschwerden verstärken. „Wer nach dem Sport bewusst zur Ruhe kommen möchte, profitiert eher von Massagen, kalt-heißen Wechselduschen oder ruhiger Atmung, wodurch der parasympathische Anteil des vegetativen Nervensystems aktiviert wird“, so Prof. Wilke. Für die Regeneration empfiehlt er zudem ausreichend Schlaf sowie leichte Bewegung im schmerzfreien Bereich, z. B. lockeres Radfahren oder ein ruhiger Spaziergang, die die Rückenmuskulatur sanft mobilisiert.
Mythos 4: Dehnen korrigiert Fehlhaltungen
Wer Dehnübungen einsetzt, um Fehlhaltungen zu korrigieren, greift meist zum falschen Mittel. Ein klassisches Beispiel ist der Rundrücken: Hier kommt man mit Dehnen der vorderen Schulter- und Brustmuskulatur allein kaum weiter. Entscheidend ist, die Rücken- und Rumpfmuskulatur gezielt zu kräftigen, um der Wirbelsäule eine dauerhafte aufrechte Haltung zu ermöglichen. „Verspannungen und Haltungsprobleme durch Dehnen zu lösen, ist wie Symptombehandlung: Es fühlt sich kurz besser an, aber die Ursache, eine zu schwache Muskulatur auf der nachgebenden Seite, bleibt bestehen“, stellt Prof. Wilke klar. Dehnen kann ergänzend helfen, etwa um akute Verspannungen zu lindern – als Hauptmaßnahme gegen Haltungsprobleme ist es jedoch nicht geeignet.
Mythos 5: Dehnen ist für die Beweglichkeit besser als Faszienrollen
Wer Rückenproblemen vorbeugen und beweglicher werden möchte, sollte nicht nur die Muskulatur, sondern auch die Faszien bearbeiten: Jene Bindegewebshülle, die jeden Muskel umgibt und mehr Schmerzrezeptoren enthält als der Muskel selbst. Durch Bewegungsmangel, Fehlbelastung oder Stress verlieren sie an Elastizität und Gleitfähigkeit, was Verspannungen und Beschwerden im Rücken begünstigen kann. „Sich mit einer Hartschaumrolle auszurollen, kann die Beweglichkeit ähnlich verbessern, wie klassisches Dehnen oder Krafttraining“, erklärt der Sportwissenschaftler. Wichtig ist – langfristig betrachtet – jedoch auch hier die regelmäßige Anwendung. Für einen dauerhaft gesunden Rücken empfiehlt Prof. Wilke ein ganzheitliches Training, in dem Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Erholung zusammenwirken.
Während die Kosten im Gesundheitswesen steigen und aktuell über Einsparungen bei Gesundheitsausgaben diskutiert wird, gerät ein wichtiger Bereich immer wieder unter Druck: die Prävention. Dabei zeigen Studien und Erfahrungen seit Jahren, dass jeder Euro, der in Prävention investiert wird, langfristig deutlich höhere Behandlungskosten vermeiden kann. Gleichzeitig werden aktuell verschiedene Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem geprüft, während Experten weiterhin mehr Investitionen in Gesundheitsförderung fordern.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht: „Wie können wir bei Prävention sparen?“, sondern: „Wie können wir verhindern, dass Menschen überhaupt krank werden?“
Rückenbeschwerden, Nackenschmerzen, Gelenkprobleme oder Bewegungsmangel entstehen selten über Nacht. Meist entwickeln sie sich über Jahre durch sitzende Tätigkeiten, einseitige Belastungen oder fehlende Bewegung. Werden diese Ursachen früh erkannt, lassen sich viele Beschwerden vermeiden, bevor sie zu längeren Ausfallzeiten oder aufwendigen Therapien führen.
Genau hier setzt moderne Physiotherapie an. Prävention bedeutet, Risiken frühzeitig zu erkennen, Bewegungsabläufe zu optimieren und den Körper belastbarer zu machen. Das schützt nicht nur die Gesundheit, sondern erhält auch Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter.
Physiotherapeut:innen begleiten Menschen aus Hamburg, dabei, aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun. Unser Ziel ist es nicht nur, Schmerzen zu behandeln, sondern sie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.
Denn am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Die beste Therapie ist oft die, die gar nicht erst notwendig wird. Prävention ist deshalb keine Ausgabe – sie ist eine Investition in Gesundheit.
Eine aktuelle Studie zur Blankoverordnung in der Physiotherapie zeigt: Mehr Entscheidungsspielraum für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten führt zu messbar positiven Behandlungsergebnissen sowie hoher Patientenzufriedenheit. Die Untersuchung erweitert die bislang stark kostenorientierte Diskussion in der Öffentlichkeit um einen entscheidenden Aspekt – den konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten.
Seit dem 1. November 2024 ist die sogenannte Blankoverordnung in der Physiotherapie für etwa 100 Diagnosen rund um das Schultergelenk ein Teil der physiotherapeutischen Regelversorgung. Erstmals können Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten eigenständig über Art, Umfang und Dauer der Behandlung entscheiden. Im Rahmen einer Studie haben die Universität zu Lübeck in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg im Zeitraum von Juli 2025 bis Mai 2026 die Blankoverordnung und ihre Auswirkung auf die Patient*innenversorgung analysiert.
Nun liegen erste Ergebnisse zur Versorgungsqualität vor. Sie zeigen, dass sich Patientinnen und Patienten unter Bedingungen der Blankoverordnung signifikant verbessern: