

Kinder ziehen im Sommer gerne die Schuhe aus, laufen barfuß über Wiesen, Sand und Waldboden und stärken dabei ganz nebenbei ihre Füße. Denn wer barfuß geht, trainiert Muskeln, spürt den Untergrund und hilft dem Fuß, sich natürlich zu entwickeln. „Fast alle Kleinkinder starten mit eher flachen Füßen, das ist völlig normal.
Erst durch Bewegung und unterschiedliche Reize bildet sich das Fußgewölbe nach und nach aus. Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen aktiviert die Muskulatur und unterstützt diese Entwicklung“, sagt Dr. Jörn Dohle, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).
Tipps für gesunde Kinderfüße im Sommer:
Die umfassende wissenschaftliche Studie „Evaluation der individuellen verhaltensbezogenen Prävention nach § 20 SGB V im Handlungsfeld Bewegung“ zeigt, dass zertifizierte Bewegungskurse der gesetzlichen Krankenkassen bei einem signifikanten Anteil von über 20 Prozent der Teilnehmenden zu einer nachhaltigen Verbesserung von Beschwerden des Bewegungsapparates führen. Betrachtet wurden das Vorliegen von Kreuzschmerzen, Nacken- oder Schulterschmerzen, Muskelverspannungen und Muskelschmerzen. Die Bewegungskurse bewirkten zudem bei 14 Prozent der Teilnehmenden eine nachhaltige Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und bei 15 Prozent eine Erhöhung der sportlichen Aktivität. Dies geht aus einer Befragung im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes mit 1.385 Teilnehmenden von Präventionskursen zur Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivitäten sowie von Kursen zur Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme hervor. Die Teilnehmenden wurden zu Kursbeginn, Kursende und sechs Monate nach Kursende befragt.
„Bewegungskurse lindern nicht nur Rückenbeschwerden, sondern wirken sich auch positiv auf die psychische Verfassung (8,4 Prozent) und die Vitalität (18,3 Prozent) der Versicherten aus. Der Anteil der Teilnehmenden, die sich in der Befragung als glücklich bezeichnen, lag sechs Monate nach Ende des Kurses knapp 13 Prozentpunkte höher als zu Kursbeginn. Auch bei der Angabe, sich ‚voller Energie‘ zu fühlen, gibt es eine Verbesserung um 22 Prozentpunkte. Um sicherzustellen, dass vor allem noch mehr sozial benachteiligte Menschen von der positiven Wirkung der Präventionskurse profitieren können, sollten die gesetzlichen Möglichkeiten der Krankenkassen ausgeweitet werden, ihren Versicherten individuelle, passgenaue Präventionsangebote zu unterbreiten. Dabei wird die neue Website praevention-direkt-finden.de eine wichtige Unterstützung sein.
Das neue Angebot bietet auch für Leistungserbringende einen Mehrwert, insbesondere für Ärztinnen und Ärzte bei der Ausstellung der Präventionsempfehlung. Laut der Befragung sind bisher nur fünf Prozent der Kursteilnehmenden durch eine Präventionsempfehlung ihrer Ärztin bzw. ihres Arztes auf einen Kurs aufmerksam geworden“, so Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
Die Teilnehmenden weisen altersbereinigt einen ähnlichen Gesundheitszustand wie der Bundesdurchschnitt auf. Zu Kursbeginn klagten sie jedoch häufiger über Belastungen durch Beschwerden (Anteil der Teilnehmenden mit für Bewegung relevanten Beschwerden: 80 Prozent, Bundesdurchschnitt: 55 Prozent). Das bedeutet, dass durch die Präventionskurse genau die Zielgruppen erreicht werden, die in Bezug auf ihren Gesundheitszustand besonders profitieren. Bezogen auf die Erreichung der Zielgruppe mit Kriterien der sozialen Benachteiligung lässt sich festhalten, dass die Kurse hinsichtlich des Anteils von Teilnehmenden mit Behinderungen, Alleinerziehenden sowie Personen mit zu pflegenden Angehörigen ungefähr der Verteilung in der Gesamtbevölkerung entsprechen.
Im Jahr 2025 investierten die Krankenkassen über 243 Millionen Euro in individuelle, verhaltensbezogene Präventionskurse für ihre Versicherten. Die Qualitätsprüfung erfolgt seit 2014 durch die Zentrale Prüfstelle Prävention im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen. Jährlich nehmen mehr als 1,8 Millionen Menschen an den zertifizierten Präventionskursen teil. 40 Prozent der Kurse in Präsenz werden von Menschen über 60 Jahren besucht. Präventionskurse sind neben den Präventionsaktivitäten der Krankenkassen in Betrieben, Kitas, Schulen und Kommunen eine wirksame und nachhaltige Säule in der Prävention und Gesundheitsförderung.
Gemeinsame Pressemitteilung der Verbände der Krankenkassen
Die Ergotherapeutin Jessica Liers, DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) vertieft den Ansatz, den sie und ihre Berufskolleg:innen verfolgen, weiter: „Ergotherapeut:innen betrachten den Menschen in seiner Gesamtheit: seine individuelle Lebenssituation, Lebensphase und Umfeld, seine Persönlichkeit, seine Identität und ebenso die Anliegen: was soll sich im Leben dieses Menschen ändern“. Ergotherapeut:innen versetzen Klient:innen – so nennen sie ihre Patient:innen – in die Lage, den für sie wichtigen Betätigungen, Handlungen und Aktivitäten wieder oder erstmals nachzugehen. Dabei ist für eine erfolgsorientierte Therapiegestaltung das „wie“ genauso wichtig wie das „was“.
Wer aufgrund von gesundheitlichen Schwierigkeiten, Problemen oder Krisen das, was er oder sie tun will oder tun muss, nicht (mehr) ausführen kann und dadurch in seinem Alltag eingeschränkt ist, kann eine Verordnung für Ergotherapie erhalten. Um sich ein aussagekräftiges Bild des oder der jeweiligen Klient:inn zu verschaffen, beginnen Ergotherapeut:innen ihre Intervention üblicherweise mit einem Gespräch, bei dem sie sämtliche hierfür nötigen Informationen sammeln. Hinter diesem Vorgehen und der ganzheitlichen Sichtweise von Ergotherapeut:innen steckt neben anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen das biopsychosoziale Modell. Es basiert auf der Annahme, dass alle Faktoren wie körperliche, psychische und soziale Komponenten in wechselseitiger Beziehung stehen können. Alles hängt miteinander zusammen und prägt das Erleben und Handeln von Menschen.
Haltung und Kommunikationsform: maßgeblich für das Gelingen ergotherapeutischer Interventionen
„Oft sind die ersten ein, zwei oder manchmal drei Termine nötig, um unser Gegenüber in all seinen Facetten kennenzulernen, gleichzeitig eine vertrauensvolle Therapeutenbindung aufzubauen und danach gemeinsam erreichbare Ziele herauszuarbeiten“, erklärt Liers. Ergotherapeut:innen ist es wichtig, ein kooperatives Klima für ein Miteinander auf Augenhöhe zu schaffen. Zusätzlich zu anderen Gesichtspunkten ist insbesondere die Art der Kommunikation ausschlaggebend dafür, wie sich Menschen – in diesem Fall die Klient:innen bei Ergotherapeut:innen – wahrgenommen fühlen. Es ist eine ergotherapeutische Grundeinstellung, dass jeder Mensch Expert:in für das eigene Leben ist. Das schließt den Versuch, anderen etwas „aufzuzwingen“, sie mit Fakten zu überhäufen und sie von etwas überzeugen zu wollen, aus. Das führt ohnehin zu nichts. Stattdessen hören Ergotherapeut:innen sehr genau zu, was Klient:innen auf ihre interessierten, gezielt offen gestellten Fragen antworten. „Fühlen sich Klient:innen in ihrer Situation und mit ihren Anliegen ernst genommen, akzeptiert und verstanden, öffnen sie sich“, bestätigt Liers, was ihr in der täglichen Praxis begegnet und was zudem wissenschaftlich fundiert ist: Eine Form der Gesprächsführung, die diese Haltung und weitere ergotherapeutische Prinzipien widerspiegelt, ist das sogenannte Motivational Interviewing – eine motivierende Gesprächsführung, die auch unter Ärzt:innen und anderen Therapeut:innen bekannt ist.
Erfolg quasi vorprogrammiert: Selbstwirksamkeit spornt an, wirkt motivationsverstärkend
Ein wichtiges Element dieser Gesprächsform ist, die Ressourcen und Fähigkeiten, die in den Klient:innen stecken, in den Vordergrund zu holen. Das deckt sich mit der klassischen ergotherapeutischen Vorgehensweise: Zu schauen, was kann die Person noch oder schon wieder und herauszufinden, welches Potenzial in ihr steckt. Der Fokus ist auf das Positive, das Motivierende, gerichtet, was perspektivisch zu Selbstwirksamkeit führt. „Selbstwirksamkeit funktioniert als Anreiz, etwas zu tun und zu lernen, schon bei Babys“, holt die Ergotherapeutin Liers vor Augen: „Babys lassen einen Gegenstand zigmal hintereinander fallen, weil sie mit Freude eine Wirkung provozieren und so spielerisch lernen“. Derselbe Wirkmechanismus gilt ein Leben lang. Wer etwas erfolgreich tut, ist motiviert, dies immer wieder, vielleicht sogar häufiger zu tun; auch stellt sich so die Bereitschaft ein, Neues zu probieren und sich auch dabei als selbstwirksam zu erfahren. Begleiten Ergotherapeut:innen beispielsweise Lebensübergänge, etwa vom Berufsleben in die Rente, sehen sich Klient:innen mit der Aufgabe konfrontiert, sich einen komplett neuen Alltag „zurechtbauen“ zu müssen, wollen sie sich nicht mit der sonst eintretenden Leere abgeben. Ergotherapeut:innen gehen dazu mit ihren Klient:innen zurück in die Vergangenheit, fragen, was der- oder diejenige früher gerne gemacht hat. Oder schon immer machen wollte, wofür aber wegen bestehender Verpflichtungen wie Arbeit, Beruf, Familie, keine Zeit war. Auch bei vielen physischen wie auch psychischen Erkrankungen geht es darum, Menschen, die eine Aktivität oder Handlung nicht mehr ausüben können zu befähigen, dies wieder zu tun, ihnen Erfolge zu ermöglichen. Ergotherapeutischen Fragetechniken und Herangehensweisen sei Dank gelingt es meistens, dass Klient:innen wiederentdecken, was in ihnen selbst steckt, wozu sie selbst fähig sind. Das Prinzip der Selbstwirksamkeit greift und wirkt auch in die Zukunft hinein.
Ergotherapeut:innen arbeiten partnerschaftlich und ausschließlich an Themen orientiert
In der Ergotherapie gilt wie bereits gesagt das partnerschaftliche Miteinander auf Augenhöhe: Beide, Ergotherapeut:in plus Klient:in, gestalten den Therapieprozess in Zusammenarbeit. Das bedeutet: Die Klient:innen nennen ihre jeweiligen persönlichen Anliegen und Ziele und Ergotherapeut:innen unterstützen sie dabei, diese Ziele im Rahmen der Möglichkeiten ihrer Erkrankung, Störung, Situation und so weiter, zu erreichen. Dies geschieht frei von Zuschreibungen, Geschlechterklischees, Prägung oder gesellschaftlichen Erwartungen. Liers macht das an Beispielen fest: Im geriatrischen Kontext kommt es häufig vor, dass Menschen Aufgaben des Ehepartners beziehungsweise der Ehepartnerin, die nicht mehr dazu imstande oder verstorben sind, übernehmen wollen oder müssen, um die eigene Selbstständigkeit zu bewahren. Schon die Befragung ist nicht am Geschlecht, sondern an den Aufgaben orientiert, die zur Selbstversorgung notwendig sind. Sprich Männer werden werden genauso wie Frauen zu sämtlichen Aufgaben der Selbstversorgung, also auch Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen und generell Dingen im Haushalt befragt, wo sie Fähigkeiten hinzugewinnen möchten. Genauso verhält es sich, wenn Frauen möglicherweise fehlende Kenntnissezu oft von Männern vereinnahmten Bereichen wie Finanzen oder handwerklicher Arbeiten bemängeln. Dann unterstützen Ergotherapeut:innen diese Klient:innen dabei, die für sie neuen Betätigungen zu erlernen, zu üben und zu praktizieren.
Ergotherapeut:innen respektieren das Recht, die eigene Persönlichkeit zu entfalten
Besonders deutlich wird die vom Geschlecht losgelöste neutrale Haltung bei Klient:innen im Transitionsprozess. In diesem Fall beraten Ergotherapeut:innen zu Anliegen wie „zum ersten Mal im Gesicht rasieren oder rasieren lassen“, „zum ersten Mal BHs kaufen“ und mehr. Besucht die trans* Person noch die Schule, kann es darum gehen, wie es ihr gelingt, sich im und nach dem Sportunterricht oder beim Schwimmen wohlzufühlen, sich als „richtig“ wahrzunehmen und ebenso integriert zu sein wie alle anderen, auch wenn die Identität noch nicht mit dem Äußeren zusammenpasst. In vielen Situationen das Umfeld Teil der Intervention; bei Transitionen benötigen an erster Stelle die Eltern Aufklärung und Zuspruch. „Eltern haben bei Transitionen die größere Aufgabe“, sagt Liers „denn für die Kinder ist alles klar: es darf endlich eine Anpassung ihrer Identität und Persönlichkeit an den Körper stattfinden; ihr dringendstes innerstes Bedürfnis wird erfüllt“. Es ist ein für Eltern herausfordernder Prozess, die Transition ihres Kindes zu begleiten, das Outing mitzutragen, alles so zu akzeptieren, wie es sich für das Kind richtig anfühlt und ihm in jeder Situation den Rücken zu stärken. „Hierzu empowern wir die Eltern, unterstützen sie dabei, Strategien für den Umgang mit dem Kind, dem Rest der Familie, Freund:innen und anderen Menschen im Umfeld zu entwickeln“, beschreibt die Ergotherapeutin Liers, wie dieser Part ihrer Arbeit mit trans* Kindern und Jugendlichen aussieht. Darüber hinaus geben Ergotherapeut:innen Empfehlungen, wie sich Lehrertermine vorbereiten lassen, an denen sie gegebenenfalls teilnehmen und sie raten, sich Elterngruppen anzuschließen und zu netzwerken. In Summe sorgen Ergotherapeut:innen dafür, dass alle Beteiligten gut versorgt sind.
Ergonomische Bürostühle, höhenverstellbare Schreibtische und moderne Bildschirmarbeitsplätze gehören in vielen Unternehmen längst zum Standard. Doch dieser Fortschritt erreicht nicht alle Beschäftigten. Besonders im Homeoffice und in körperlich belastenden Berufen wie Bau, Handwerk, Gebäudereinigung und Pflege sind ergonomische Bedingungen noch nicht flächendeckend etabliert. Die Folgen sind erheblich: Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Fehltage und verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten. „Deutschland hat bei der Ergonomie weniger ein Erkenntnisproblem als ein Umsetzungsproblem“, so Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. Die AGR gibt Orientierung – mit konkreten Tipps für einen rückenfreundlichen Alltag und dem AGR-Gütesiegel für ergonomische Produkte.
Gesundes Homeoffice: In kleinen Betrieben fehlt oft die ergonomische Unterstützung
Fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet zumindest zeitweise im Homeoffice, das zeigen aktuelle Erhebungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Doch längst nicht alle erhalten Unterstützung bei der ergonomischen Gestaltung ihres heimischen Arbeitsplatzes. Unterschiede zeigen sich vor allem in verschiedenen Betriebsgrößen: Während große Unternehmen und die öffentliche Verwaltung ihre Beschäftigten häufig umfassend begleiten, fehlen in kleineren Betrieben vielfach konkrete Hinweise zu Ausstattung, Bewegung und gesundem Arbeiten.
„Viele Menschen richten ihren Arbeitsplatz zu Hause zunächst pragmatisch ein: der Küchenstuhl, der Laptop auf dem Wohnzimmertisch, wenig Bewegung zwischendurch. Was kurzfristig funktioniert, kann langfristig Beschwerden begünstigen. Arbeitgeber können hier wirksam unterstützen: mit klaren Empfehlungen, passender Ausstattung und einer Beratung, die sich am tatsächlichen Arbeitsalltag orientiert“, rät der Rückenexperte.
Dabei geht es um mehr als einen geeigneten Stuhl und einen ausreichend großen Bildschirm. Gute Lichtverhältnisse, regelmäßige Bewegungspausen und der Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen gehören ebenso zu einer gesunden Arbeitsgestaltung. Auch die Arbeitsorganisation spielt eine wichtige Rolle: Klare Absprachen zu Erreichbarkeit und Pausen helfen dabei, flexibles Arbeiten im Homeoffice auch mental gesund zu gestalten.
Gute Ergonomie beginnt vor der Belastung
Der Blick auf den Bildschirmarbeitsplatz greift jedoch zu kurz. Besonders groß ist der Handlungsbedarf dort, wo schwere Lasten, ungünstige Körperhaltungen und sich ständig wiederholende Bewegungen zum Berufsalltag gehören.
Auf dem Bau und im Handwerk belasten Tätigkeiten wie Estrichlegen, Schaufeln oder das kniende Verlegen von Fliesen den Körper besonders. Solche Arbeiten beanspruchen Muskeln und Gelenke über viele Stunden hinweg. Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören deshalb gerade im Handwerk zu den häufigsten Ursachen für Fehlzeiten.
Auch in der Gebäudereinigung summieren sich Belastungen über die gesamte Arbeitsschicht. Wiederkehrende Wischbewegungen, nicht angepasste Arbeitsgeräte sowie das Schieben oder Tragen schwerer Geräte beanspruchen Rücken, Schultern und Gelenke stark. Höhenverstellbare Teleskopstiele, ergonomische Griffe und geeignete Transportlösungen können die körperliche Belastung spürbar reduzieren.
In der Pflege kommen besondere Herausforderungen hinzu: Menschen lassen sich nicht wie genormte Lasten bewegen. Pflegekräfte versorgen Menschen, die nur eingeschränkt mithelfen können, unvermittelt das Gleichgewicht verlieren oder unter beengten räumlichen Bedingungen versorgt werden. Höhenverstellbare Pflegebetten, Transfer- und Aufstehhilfen sowie ausreichend Platz am Bett sind deshalb ebenso wichtig wie eine Arbeitsorganisation, die den Einsatz dieser Hilfsmittel im entscheidenden Moment ermöglicht.
„Ergonomische Lösungen entfalten dann ihre volle Wirkung, wenn sie im Arbeitsalltag selbstverständlich verfügbar sind und genutzt werden können“, betont Detjen. „Ob Hebehilfe, Bürostuhl oder Bewegungspause: Entscheidend ist, dass gesunde Arbeit einfach Teil des täglichen Ablaufs wird.“
Fazit: Ergonomie ist eine Investition in Gesundheit und Arbeitsfähigkeit
Deutschland hat beim Thema Ergonomie bereits viel erreicht. Das größte Potenzial liegt nun darin, vorhandenes Wissen konsequent in den Arbeitsalltag zu übertragen. Dafür müssen Arbeitsplätze, -mittel und -abläufe gemeinsam betrachtet werden: mit passender Ausstattung, verständlicher fachlicher Begleitung und genügend Raum und Zeit für Bewegung. Gerade kleine und mittlere Betriebe profitieren dabei von leicht zugänglichen Informationen und praxisnaher Unterstützung.
Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. setzt sich mit ihrem AGR-Gütesiegel, unabhängigen Produktprüfungen und der Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus Medizin, Therapie und Wissenschaft dafür ein, diese Lücke Schritt für Schritt zu schließen – am Schreibtisch ebenso wie auf der Baustelle, in der Werkstatt, bei der Reinigung oder in der Pflege.