

Im November wachsen wieder die Schnurrbärte: Der internationale Aktionsmonat „Movember“, ein Kunstwort aus „Moustache“ (Schnurrbart) und „November“, lenkt den Blick auf die Gesundheit von Männern. Dabei liegt der Fokus vor allem auf vermeintlichen Tabuthemen wie Prostata und Psyche. Der Rücken kommt dabei oft zu kurz, obwohl er Männer öfter zum Arzt bringt als jede andere Erkrankung. Laut DAK-Gesundheitsreport 2026 verursachen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems die meisten Arbeitsunfähigkeitstage – noch vor Atemwegserkrankungen. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. nimmt das zum Anlass, auf eine präventiv wirksame, aber oft unterschätzte Trainingsform hinzuweisen: Yoga.
Warum bei Männern gerade der Rücken so oft streikt
Ein Grund für Rückenschmerzen findet sich im Berufsalltag vieler Männer. „Das liegt sicherlich unter anderem darin begründet, dass körperlich fordernde Berufsgruppen wie Landwirtschaft, Handwerk oder Industrie noch immer überwiegend männlich besetzt sind. Einseitige Bewegungsabläufe und das Heben schwerer Gewichte belasten dabei den ganzen Rücken“, sagt Christian Terstappen, AGR-Experte und Vorstand im Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR).
Der Rücken spricht, wenn die Seele schweigt
Körperliche Belastung ist aber nicht der alleinige Auslöser. „Physische Beschwerden lassen sich in der Praxis nie ganz losgelöst von der Psyche behandeln. Ich erlebe immer wieder, dass sich Stress und seelische Belastung direkt im Rücken bemerkbar machen.“, betont Terstappen. Wer ständig negativem Stress ausgesetzt ist, neigt dazu, eine verkrampfte Haltung einzunehmen: Rücken-, Schulter- und Nackenmuskeln verspannen, Rückenschmerzen können die Folge sein. Vor allem Belastungen in Schule, Studium und Beruf stressen viele Menschen, wie eine Befragung der Techniker Krankenkasse zeigt. Hält der Stress länger an, kann er sogar die Schmerzwahrnehmung im Gehirn verstärken. Auffällig dabei: Über den schmerzenden Rücken sprechen viele Männer eher als über die Belastung dahinter.
Hauptsache Bewegung: Yoga ist kein reiner Frauensport
Bewegung ist und bleibt die Grundlage für einen gesunden Rücken – sie kann Rückenschmerzen vorbeugen und verringern. Dabei ist nicht unbedingt die Trainingsform entscheidend: viel wichtiger ist es medizinischen Empfehlungen zufolge, eine individuell passende Therapie zu finden, die regelmäßig durchgeführt wird. Die WHO empfiehlt eine Mischung aus mindestens 150 Minuten aerober Aktivität und zwei Krafteinheiten pro Woche. Vielleicht ist es der Motivation behilflich, einfach mal etwas Neues auszuprobieren? „Männer sind häufig auf Kraft- und Ausdauertraining fokussiert. Aber auch Yoga oder Pilates können Wunder wirken und neuen Schwung in die Sportroutine bringen“, sagt Terstappen.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit, in der 42 Studien zu sechs Bewegungsinterventionen verglichen wurden, bestätigt diese Vermutung. Yoga erzielte dabei den größten Effekt. Die Sportart verbessert die Beweglichkeit der Wirbelgelenke und stärkt die umliegende Muskulatur. Die tiefliegenden Bauch-, Rücken- und Beckenbodenmuskeln wirken dabei wie ein „natürliches Korsett“ und geben der Wirbelsäule Halt. Auch das propriozeptive System, zuständig für die Körperwahrnehmung, wird aktiviert und gestärkt.
Wer regelmäßig Yoga praktiziert, trainiert Muskulatur und Stressmanagement zugleich – das tut dem Rücken gleich doppelt gut. Yoga ist schon lange kein Frauensport mehr, profitieren kann jede und jeder. Damit die Übungen richtig wirken, kommt es auch auf die passende Unterlage an, denn eine gute Gymnastikmatte gibt sicheren Halt, schont die Gelenke und ermöglicht einen stabilen Stand bei anspruchsvollen Übungen. Orientierung bietet hier das AGR-Gütesiegel: Eine unabhängige Prüfkommission aus Ärztinnen, Ärzten und Therapierenden zeichnet damit Produkte aus, die nach strengen Kriterien als besonders rückengerecht gelten. Zertifizierte Gymnastikmatten sowie weitere Übungen für das Rückentraining sind zu finden unter www.agr-ev.de/gymnastikmatten oder www.agr-ev.de/rueckenuebungen.
Ergotherapeut:innen unterstützen Menschen mit einer Borderline-Symptomatik, die eigenen Verhaltensmuster zu analysieren, sich auf ihre Ressourcen zu fokussieren und sich besser selbst zu regulieren
Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch das Zusammentreffen verschiedener Faktoren entwickeln kann. „Menschen mit dieser Form der Persönlichkeitsstörung fühlen eine innere Zerrissenheit“, sagt Inga Löckher, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), und beschreibt, was in Betroffenen vorgeht: „Viele empfinden ein chronisches Gefühl von Leere, wenig Selbstvertrauen, Traurigkeit, Angst – etwa vor Ablehnung – und/ oder Wut“. Ergotherapeut:innen erarbeiten mit ihnen Strategien, um die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen, sich selbst besser zu regulieren, Alltagsstrukturen anzulegen oder zu verändern und das eigene Selbstbild zu stärken, was in Summe zu mehr Lebensqualität führt.
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass das Zusammenwirken bestimmter genetischer Veranlagungen, neurobiologischer Besonderheiten und psychosozialer Belastungen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hervorbringen kann. Psychosoziale Belastungen können Folgen frühkindlicher Traumata nach körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt, Vernachlässigung oder Misshandlungen sein. „Viele Betroffene berichten von solchen Erlebnissen, dennoch: nicht jedes belastete Kind entwickelt eine Borderline-Persönlichkeitsstörung“, bestätigt die Ergotherapeutin Löckher. Auch ein abwertendes Umfeld kann zur Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beitragen. Nicht nur daher, sondern generell empfiehlt es sich grundsätzlich für das gesamte Umfeld aus Eltern, Angehörigen und Erziehenden, Kinder mit ihren Emotionen und Anliegen ernst zu nehmen, sie zu schützen und zu fördern.
Ergotherapeut:innen vermitteln Menschen mit Borderline-Symptomatik Zusammenhänge von Aktivitäten und Spannungslevel
Der Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist enorm hoch; sie bewegen sich häufig wie regelrechte Überlebenskünstler:innen durch ihren Alltag. Begleitend zu psychiatrischen Therapien erhalten Sie beispielsweise Ergotherapie. Ergotherapeut:innen richten ihre Interventionen vor allem auf die Bewältigung des Alltags aus. Löckher erklärt: „Menschen mit einer Borderline-Symptomatik empfinden eine erhöhte Grundanspannung“. Ergotherapeut:innen nutzen bei ihrer Arbeit mit Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung unter anderem eine sogenannte Spannungsskala zur subjektiven Einschätzung der eigenen Anspannung, in der sie ihre jeweils empfundene Anspannung in Werten von 0 bis 100 erfassen. In solche Spannungslisten tragen Klient:innen von Ergotherapeut:innen anfangs mitunter stündlich und später in größeren Abständen ihr Spannungslevel und ebenso alle Aktivitäten und Erlebnisse des Tages ein. Die Analyse der Spannungsliste verdeutlicht den Klient:innen, welche Schwankungen es gibt und die Zusammenhänge zwischen Ereignissen wie: „schlecht geschlafen“, „gegrübelt“ oder „zu spät ins Bett gegangen“ und einem erhöhten Spannungslevel. Die Eintragungen in die Spannungsliste verdeutlichen im Reflexionsgespräch mit dem oder der Ergotherapeut:in: die Anspannung lässt sich durch das eigene Verhalten steuern.
Ergotherapeut:innen arbeiten mit Menschen mit Borderline-Symptomatik Lösungswege zur besseren Impulssteuerung aus
Ergotherapeut:innen prüfen gemeinsam mit ihren Klient:innen immer auch: Welche Stressoren gibt es. Manchmal sind Enttäuschungen Auslöser, wenn etwa ein Treffen abgesagt wurde oder etwas anderes stattgefunden hat, was das negative Selbstwertgefühl eines Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung verstärken kann. Oder was er oder sie als Ablehnung der eigenen Person empfindet, was mögliche Verlustängste schüren kann. In Folge solcher Situationen können Betroffene in eine sehr hohe Anspannung kommen. Um ihre Anspannung besser regulieren zu können, legen Ergotherapeut:innen gemeinsam mit ihren Klient:innen persönliche Skillsketten fest, die sich am jeweiligen Anspannungsgrad orientieren. Skills können verschiedene Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Handlungen sein. Je nach persönlichen Interessen und Möglichkeiten und abhängig vom Anspannungsgrad kommen beispielsweise Atemübungen, unterschiedliche sportliche oder körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen, das Anrufen nahestehender Menschen oder – wenn gar nichts mehr geht – die Seelsorge in Betracht. Zu wissen, dass und welche Optionen sie haben, gibt Betroffenen Handlungsspielraum; sie fühlen sich nicht länger handlungsunfähig, sondern haben eine Wahl und können dank ihrer eigenen oder der Fähigkeiten anderer ihr Anspannungslevel wieder senken.
Übergeordnete Ziele einer ergotherapeutischen Intervention
In Phasen von Antriebslosigkeit, die die Borderline-Symptomatik begleiten können, ist eines der übergeordneten Ziele einer ergotherapeutischen Intervention, die Tagesstruktur Betroffener aufrecht zu erhalten. Menschen mit dieser Form der Persönlichkeitsstörung stufen sich und ihre Handlungen oftmals als wertlos ein. Wer es – auch dank der mit Ergotherapeut:innen getroffenen Verabredungen und Verpflichtungen – schafft, morgens loszuziehen und Dinge zu erledigen, hat am Abend die Bestätigung: „Ich hatte einen geregelten Tagesablauf und empfinde mich als selbstwirksam. Grundlage für die Zusammenarbeit von Ergotherapeut:innen mit Klient:innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine verlässliche, wertschätzende und professionell abgegrenzte therapeutische Beziehung. Dazu Löckher: „Ergotherapeut:innen schaffen einen sicheren Rahmen, in dem Klient:innen neue Erfahrungen mit Selbstwirksamkeit, Kommunikation, Grenzsetzung und Beziehungsgestaltung machen können“.
Persönliche Ziele von Menschen mit Borderline
„Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann selbstverletzendes Verhalten auftreten; es betrifft jedoch nicht alle Menschen mit dieser Diagnose“, betont die Ergotherapeutin Löckher. Betroffene können ebenso zu einem negativen Umgang mit sich selbst neigen, was sich etwa in einer Abwertung der eigenen Person ausdrückt. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung versuchen mehr noch als andere, sich selbst zu optimieren. Löckher macht das an einem Beispiel fest: „Diejenigen meiner Klient:innen, die Kinder haben, sind extrem darauf bedacht, in ihrer Rolle als Mutter oder Elternteil alles gut und richtig zu machen – gerade, wenn sie selbst belastende Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht haben“. Sie haben oft Ziele wie: „Ich möchte geduldiger werden“ – was im Übrigen das Ziel vieler Mütter beziehungsweise Eltern oder Elternteile sein könnte – und arbeiten dann gemeinsam mit ihrer Ergotherapeutin oder ihrem Ergotherapeuten entsprechende Ideen aus. Man schaut gemeinsam: Was sind besonders stressige Situationen und sucht dann miteinander nach praktikablen und alltagstauglichen Lösungen, um Abläufe umzustrukturieren oder Aufgaben umzuverteilen, damit es zu weniger Überforderung kommt. Zu Überforderung kann es auch kommen, wenn eine Person mit einer Borderline-Symptomatik etwa nach einem Burnout wieder in den Beruf einsteigt. Ergotherapeut:innen begleiten auch solche Phasen. Unter anderem üben sie mit ihren Klient:innen Kommunikationsstrategien oder machen Rollenspiele, so dass es den Betroffenen gut gelingt, sich in den Arbeitsalltag zu reintegrieren, gleichzeitig ihre Bedürfnisse und Rechte durchzusetzen und in angemessener Form klare Grenzen zu setzen.
Zunehmend mehr soziale Teilhabe durch einen ausgewogeneren Alltag und besseres Selbstmanagement
Ergotherapeut:innen analysieren gemeinsam mit den Klient:innen, in welchen konkreten Betätigungen und Alltagssituationen Anspannung, Impulsivität oder Vermeidung die Handlungsfähigkeit einschränken und überprüfen diese Aspekte kontinuierlich im Laufe ihrer Intervention. Sie lassen Klient:innen mit einer Borderline-Symptomatik die gemeinsam erarbeiteten individuellen Strategien erproben und in den Alltag übertragen. So kann es langfristig zu einer besseren Betätigungsbalance – so bezeichnen Ergotherapeut:innen ein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Aktivitäten und Verpflichtungen – kommen. In Summe verändert sich dadurch die Selbstwahrnehmung von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, ihre Selbstsicherheit wächst und die soziale Teilhabe fällt leichter.
Regelmäßige Bewegung kann ein wichtiger Schlüssel zu mehr Gesundheit sein, denn körperliche Aktivität stärkt den Rücken, die Muskeln und den Stoffwechsel, fördert die Durchblutung und erhält die Mobilität. Aktuelle Studien deuten zudem darauf hin, dass ein aktiver Alltag mit einem geringeren Risiko für bestimmte Erkrankungen und einem langsameren kognitiven Abbau verbunden sein kann.¹ ² ³
„Bewegung ist keine Wunderpille und ersetzt weder eine Diagnose noch eine notwendige Therapie. Sie ist aber einer der stärksten Hebel, die wir im Alltag selbst bedienen können: Sie hält den Rücken belastbar, unterbricht schädliche Sitzroutinen und kann dazu beitragen, Krankheitsrisiken zu senken“, sagt Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. Die AGR gibt Orientierung – mit konkreten Tipps für einen rückenfreundlichen Alltag und dem AGR-Gütesiegel für ergonomische Produkte.
Was Bewegung bei Krebs und Demenz bewirken kann
Aktuelle Studien zeigen, dass Bewegung auch mit Blick auf Krebs und Demenz eine wichtige Rolle spielen kann. Eine Langzeituntersuchung mit mehr als 90.000 Erwachsenen kommt zu dem Ergebnis, dass lange, kaum unterbrochene Sitzzeiten mit ungünstigeren gesundheitlichen Entwicklungen im Zusammenhang stehen. Bereits leichte oder moderate Bewegungspausen wirkten sich in der Auswertung positiv aus.¹ Die Studie belegt zwar nicht, dass Bewegung vor Krebs schützt. Sie unterstreicht jedoch, wie sinnvoll es ist, langes Sitzen regelmäßig zu unterbrechen.
Auch für die Gehirngesundheit gibt es ermutigende Hinweise: Eine weitere Langzeitstudie zeigt, dass regelmäßiges Gehen bei älteren Menschen mit frühen Alzheimer-Anzeichen zu einem langsameren geistigen Abbau führen kann.² Der Demenzbericht des Fachjournals The Lancet nennt körperliche Inaktivität ebenfalls als einen beeinflussbaren Risikofaktor.³
Bewegung kann Krankheiten nicht verhindern, ist aber ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge – und etwas, das fast jeder im Alltag selbst beeinflussen kann.⁴
Ein aktiver Alltag beginnt beim Rücken
Für regelmäßige Bewegung braucht der Körper Kraft, Beweglichkeit und Vertrauen in die eigene Belastbarkeit. Der Rücken spielt dabei eine zentrale Rolle. Ist die Rumpfmuskulatur wenig trainiert oder bleibt der Körper über viele Stunden in derselben Haltung, können Verspannungen und Beschwerden entstehen.
Abwechslung ist deshalb besonders wichtig, denn Sitzen ist nicht grundsätzlich ungesund. Problematisch wird es vor allem, wenn Menschen zu lange sitzen und zudem unbewegt in einer Position verharren. Der regelmäßige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen bringt die Muskulatur in Aktion und verändert die Belastung der Wirbelsäule. ⁴ ⁵
Auch Krafttraining gehört zu einem ausgewogenen Bewegungsprogramm. Es stärkt neben dem Rücken auch Beine, Gesäß und Rumpf. Das erleichtert alltägliche Bewegungen, verbessert die Stabilität und kann helfen, die Mobilität langfristig zu erhalten. ⁴ ⁵
„Entscheidend ist nicht, wie sportlich jemand ist, sondern ob Bewegung dauerhaft einen Platz im Alltag bekommt“, betont Detjen. „Wer regelmäßig aktiv bleibt und seinem Körper unterschiedliche Belastungsreize bietet, schafft gute Voraussetzungen dafür, beweglich, belastbar und auch im Alter möglichst lange selbstständig zu bleiben.“
Fünf einfache Schritte zu mehr Bewegung
Die Abkürzung MS steht für Multiple Sklerose. Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung der Muskulatur, sondern um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. „Bei Multipler Sklerose werden durch fehlgeleitete Immunprozesse Strukturen in Gehirn und Rückenmark geschädigt. Dadurch kann die Weiterleitung von Nervensignalen beeinträchtigt werden“, erklärt AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. Muskelschwund – medizinisch Muskelatrophie genannt – bezeichnet dagegen die Abnahme von Muskelmasse. Der Begriff ist keine eigenständige Diagnose, sondern beschreibt einen Befund beziehungsweise ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann.
Unterschiedliche Ursachen
Der Name Multiple Sklerose bedeutet sinngemäß „vielfache (multiple) Verhärtungen beziehungsweise Vernarbungen (Sklerosen)“. Gemeint sind damit die vielen Narben, die bei MS als Folge chronischer Entzündungen im Gehirn oder Rückenmark entstehen. Je nachdem, welche Bereiche des Zentralen Nervensystems betroffen sind, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Dazu zählen unter anderem Sehstörungen, Spastik, Kognitionsprobleme oder Fatigue – eine abnormale körperliche und geistige Erschöpfbarkeit. Die Muskulatur der MS-Erkrankten ist jedoch in der Regel gesund, sie kann nur bei manchen Betroffenen nicht mehr richtig gesteuert werden.
Muskelschwund kann dagegen verschiedene neuromuskuläre Ursachen haben, bei denen der Muskel selbst, motorische Nervenzellen, periphere Nerven oder die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel betroffen sein können. Sie sind gekennzeichnet durch einen stetigen Verlust an Muskelmasse. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem die Duchenne-Muskeldystrophie und die Spinale Muskelatrophie (SMA).
Neuromuskuläre Erkrankungen können erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein. Verlauf und Ausprägung unterscheiden sich erheblich: Bei manchen Erkrankungen sind nur einzelne Muskelgruppen betroffen, bei anderen größere Teile der Muskulatur.
Muskelabbau als mögliche Folge von Bewegungsmangel
Auch bei Menschen mit MS kann die Muskelmasse abnehmen. Ursache dafür kann beispielsweise sein, dass bestimmte Muskeln aufgrund von Bewegungseinschränkungen über längere Zeit weniger beansprucht werden. Die zugrundeliegende MS ist dennoch keine primäre Muskelerkrankung: Die Muskelschwäche entsteht vor allem dadurch, dass die Steuerung der Muskulatur durch das Zentrale Nervensystem beeinträchtigt ist.
Einem inaktivitätsbedingten (sekundären) Muskelabbau kann häufig mit individuell angepasster Bewegung, Krafttraining und Physiotherapie entgegengewirkt werden. Welche Maßnahmen geeignet sind und in welchem Umfang sich Muskelmasse wiederaufbauen lässt, hängt von der persönlichen gesundheitlichen Situation ab.
Ähnliche Beschwerden bedeuten nicht dieselbe Erkrankung
MS und neuromuskuläre Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Ein Beispiel ist die Fußheberschwäche: Betroffene können den Fuß beim Gehen nicht mehr ausreichend anheben und rollen ihn nicht mehr kontrolliert ab. Eine solche Schwäche kann sowohl bei MS als auch bei unterschiedlichen Erkrankungen der Nerven oder Muskeln auftreten. Das gleiche Symptom lässt daher nicht automatisch auf die gleiche Ursache schließen.
Seit 1974 ist AMSEL Fachverband, Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für Menschen mit MS und ihre Angehörigen. Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung sowie aktuelle Informationen rund um Multiple Sklerose bietet AMSEL unter www.amsel.de