

Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Inkontinenz – viele davon still und ohne professionelle Hilfe. Zum Internationalen Inkontinenztag am 30. Juni 2026 und zur Welt Kontinenz-Woche (15. bis 21. Juni 2026) macht Physio Deutschland darauf aufmerksam, dass Inkontinenz behandelbar ist und Physiotherapie eine wichtige Rolle bei Prävention und Therapie spielt. Physiotherapeutin Daniela Hönninger appelliert an Betroffene, Beschwerden frühzeitig ernst zu nehmen und offen anzusprechen.
Fast jede zweite Frau und jeder fünfte Mann sind im Laufe ihres Lebens von Inkontinenz betroffen. Dennoch gilt das Thema für viele Menschen noch immer als schambesetzt. Dabei sind die Ursachen oft behandelbar. Besonders häufig hängt Inkontinenz mit einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur zusammen.
Schwangerschaften und Geburten, hormonelle Veränderungen, Fehlhaltungen, neurologische Erkrankungen oder Übergewicht können die Beschwerden begünstigen. „Inkontinenz gehört nicht einfach zum Altern dazu“, sagt Daniela Hönninger, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie (AG GGUP) von Physio Deutschland. „Auch junge Menschen können betroffen sein. Entscheidend ist, die Beschwerden ernst zu nehmen und frühzeitig aktiv zu werden.“
Beckenboden stärken, Beschwerden vorbeugen
Ein zentraler Baustein bei Prävention und Behandlung ist gezieltes Beckenbodentraining. In der Physiotherapie lernen Betroffene, ihre Muskulatur bewusst wahrzunehmen und individuell zu trainieren. „Der Beckenboden ist ein Muskel wie jeder andere auch. Er will trainiert werden, braucht aber auch Entspannung“, erklärt Daniela Hönninger. Der Beckenboden arbeite eng mit der tiefen Bauch- und Rückenmuskulatur sowie dem Zwerchfell zusammen.
Auch Alltagsgewohnheiten spielen eine Rolle. So könne beispielsweise falsches Toilettenverhalten die Beschwerden verstärken. „Wichtig ist, druckfrei auf die Toilette zu gehen und Blase und Darm die Entleerung selbst machen zu lassen“, so die Physiotherapeutin. Grundsätzlich entwickelt sich so eine Inkontinenz meistens schleichend. Also am Anfang verliert man vielleicht nur so ein paar Tröpfchen Urin beim Niesen, Lachen, oder Husten. Und irgendwann, da schafft man es kaum noch trocken auf eine Toilette. Spätestens jetzt ist es wichtig, dass man sich vertrauensvoll an die Ärztin oder den Arzt wendet, die Inkontinenz anspricht, um eine Ursache herauszufinden oder auch zu einem Spezialisten überwiesen zu werden. „Und dann bekommt man vielleicht ein Rezept, kann damit zur Physiotherapie gehen und dort eben auch wirklich etwas tun für seinen Beckenboden. Betroffene sollten keine falsche Scham haben und sich Hilfe suchen“, appelliert Daniela Hönninger.
Tipp: Auch, wenn es schwerfällt, Betroffene sollten offen mit dem Thema umgehen, denn sie sind nicht alleine und medizinische sowie physiotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen. Denn je früher Beschwerden behandelt werden, desto besser sind die Chancen, die Lebensqualität langfristig zu verbessern.
Die sieben wichtigsten Tipps von Daniela Hönninger, Physiotherapeutin und Leiterin der AG GGUP von Physio Deutschland:
1. Beckenboden regelmäßig trainieren
2. Nach Schwangerschaft und Geburt frühzeitig vorbeugen (u.a. Rückbildungskurse besuchen)
3. Auf eine gute Körperhaltung achten
4. Übergewicht vermeiden oder reduzieren
5. Pressen beim Toilettengang vermeiden
6. Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären lassen
7. Keine falsche Scham – Hilfe suchen und Physiotherapie nutzen
Fazit: Mit Wissen über Inkontinenz aufklären und enttabuisieren
Physio Deutschland ruft zum Tag der Inkontinenz dazu auf, Inkontinenz mit fundiertem Wissen zu begegnen. Physiotherapeut*innen in der Nähe finden Interessierte auf der Webseite von Physio Deutschland unter www.physio-deutschland.de (Reiter „Patient*inneninformationen“, Rubrik "Physiotherapeut*innensuche“).
Luxuriöse Optik, angenehme Höhe und ein erholsames Schlafgefühl – auf der Suche nach Schlafqualität und Komfort leisten sich viele Menschen ein Boxspringbett. Der Trend aus Amerika und Skandinavien, bei dem ein fester, gefederter Unterbau die klassische Kombination aus Lattenrost und Bettgestell ersetzt, verspricht ein besonders weiches Liegegefühl für besseren Schlaf. Doch der Eindruck täuscht: „Boxspringbetten lassen sich nicht an die individuellen Bedürfnisse des Körpers anpassen. Aus ergonomischer Sicht gibt es bessere Alternativen“, sagt Dr. André Alesi, Schlafwissenschaftler, Gründer des Instituts für Schlaf und Regeneration sowie Experte für rückengesundes Schlafen bei der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. Der Verein zertifiziert seit über 30 Jahren rückenfreundliche Produkte aus allen Lebensbereichen mit dem AGR-Gütesiegel. Zum Tag des Schlafes am 21. Juni gibt die AGR-Tipps zum rückenfreundlichen Schlafkomfort.
Der erste Eindruck kann täuschen
Guter Schlaf macht nicht nur wach: Er bringt auch Regeneration, Leistungsfähigkeit und langfristige Gesundheit. Das richtige Bett ist dafür maßgeblich entscheidend. Boxspringbetten liegen seit Jahren im Trend, denn sie stehen für Komfort und Luxusgefühl im eigenen Schlafzimmer. Im Unterschied zum gewöhnlichen Bettgestell liegt die Matratze nicht auf einem Lattenrost, sondern auf einem mit Sprungfedern (engl. „boxspring“) gefüllten Unterbau. Optisch sind die Trendbetten, die zunehmend auch jüngere Menschen begeistern, an ihrer Höhe und an der Stoffverkleidung um Rahmen, Matratze und Kopfteil zu erkennen.
Beim Probeliegen wirken die gepolsterten Schlafstätten, die in Amerika und Skandinavien zum Standard gehören, oft angenehm weich. Doch genau das kann langfristig zum Problem werden: „Sinkt der Körper im Liegen zu stark ein, verliert die Wirbelsäule ihre natürliche Doppel-S-Form. Es fehlt die notwendige, punktuelle Unterstützung der Wirbelsäule. Fehlhaltungen und Verspannungen können die Folge sein“, erklärt AGR-Experte Alesi. Viele Boxspringbetten lassen sich nur begrenzt an den individuellen Körperbau anpassen. Auch das Schlafklima ist nicht optimal, weil die Stoffummantelung den Luftaustausch in der Matratze verringert.
Individuelle Ergonomie als Schlaf-Trend
Wer ein hohes Bett in Kombination mit ergonomischem Liegekomfort sucht, findet gute Alternativen. „Ein gutes ergonomisches Bett sollte optimal zum eigenen Körper und zu den individuellen Schlafgewohnheiten passen“, sagt Alesi. Als Alternative zum starren Boxspringbett, aber auch zum Kauf einzelner Bett-Elemente wie Lattenrost und Matratze, empfiehlt er ein sogenanntes Bettsystem aus hochbeweglicher Unterfederung mit vielen kleinen „Flügeln“ statt starrer Leisten und einer dazu passenden Matratze, bei dem alle Elemente fein aufeinander abgestimmt sind. „Sie bewegen sich dreidimensional und sorgen durch punktgenaue Reaktion für eine feine Druckverteilung“, erklärt der Schlaf-Experte. Inzwischen gibt es solche flexiblen Bettsysteme auch in elegantem, stoffbezogenen Boxspring-Design, mit entsprechender Höhe und passend zur eigenen Einrichtung und den persönlichen Vorlieben.
Schuhe und Betten probiert man an
„Unverzichtbar, um das individuell passende Bettensystem zu finden, ist eine qualifizierte persönliche Beratung und ausgiebiges Probeliegen im Fachhandel – idealerweise in verschiedenen Positionen“, betont Alesi. Nur so kann man herausfinden, ob die Schlafunterlage wirklich zu einem passt. In Fachgeschäften mit AGR-Zertifizierung helfen speziell geschulte Mitarbeiter bei der Auswahl und Anpassung des Schlafsystems. Dank umfassenden Trainings kennen sie die Anatomie der Wirbelsäule, das Zusammenspiel der Muskulatur sowie zentrale ergonomische Prinzipien und können so gezielt zu einer gesunden Schlaflösung beraten.
Weshalb moderne Physiotherapie immer stärker auf aktive Patienten setzt und passive Behandlungskonzepte zunehmend an ihre Grenzen stoßen
Viele Physiotherapeuten kennen diese Situation aus dem Praxisalltag: Patienten kommen mit Schmerzen in die Praxis und erwarten vor allem eines, nämlich behandelt zu werden. Möglichst passiv, möglichst bequem und am besten direkt auf der Behandlungsliege.
Aktive Übungen, funktionelles Training oder eigenständige Bewegung stoßen häufig zunächst auf Zurückhaltung. Genau darin liegt jedoch eine der größten Herausforderungen moderner Physiotherapie: Patienten nicht nur zu behandeln, sondern sie aktiv in Bewegung zu bringen.
Denn nachhaltiger Therapieerfolg entsteht heute längst nicht mehr ausschließlich durch klassische Hands-on-Behandlungen. Vielmehr gewinnt die aktive Mitarbeit der Patienten zunehmend an Bedeutung und zwar vor, während und nach der Therapie.
Passive Erwartungshaltung trifft auf moderne Therapieansätze
Während Physiotherapeuten heute verstärkt auf aktive Therapieformen setzen, bringen viele Patienten noch immer ein traditionelles Verständnis von Physiotherapie mit:
Mit Blick auf die bevorstehende Fußball-WM weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) darauf hin, dass sich viele Kreuzband- und Meniskusverletzungen durch gezieltes Training vermeiden lassen. Sie empfiehlt das kostenfreie Präventionsprogramm STOP-X, das jetzt in überarbeiteter Form online verfügbar ist. STOP-X bietet passende Trainingsroutinen, um Knieverletzungen vorzubeugen – sowohl im regelmäßigen Training als auch beim Aufwärmen vor dem Spiel.
„Viele schwere Knieverletzungen im Fußball passieren nicht durch Fouls, sondern durch abruptes Abstoppen, Landungen nach Sprüngen oder schnelle Richtungswechsel und genau diese Situationen lassen sich trainieren“, sagt DGOU-Präsident Prof. Dr. Frank Hildebrand. Passend zur Fußball-WM hat die DGOU außerdem das Dossier „Gesund am Ball: Fußball-Spezial“ zusammengestellt.
Nach Angaben der DGOU-Sektion Deutsche Kniegesellschaft (DKG) entstehen rund drei Viertel aller Kreuzbandrisse im Fußball ohne direkten Gegnerkontakt. „Ein Kreuzbandriss kann jede Fußballerin und jeden Fußballer treffen. Frauen haben ein deutlich höheres Risiko für einen Kreuzbandriss als Männer“, sagt DKG-Präsident Prof. Dr. Steffen Schröter.
STOP-X wurde von Ärzten, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern der DKG entwickelt. Der Name des Programmes bezieht sich auf einen Risikofaktor bei Knieverletzungen, nämlich die valgische Stellung der unteren Extremität. Diese entsteht im Fußball häufig, wenn das Knie bei schnellen Richtungswechseln, abruptem Abbremsen oder nach einem Sprung nach innen einknickt und dabei eine X-Bein-Stellung entsteht. „Die Gefahr dieser Gelenkstellung liegt darin, dass das Kniegelenk stark belastet wird. Dadurch steigt insbesondere das Risiko für Kreuzband-, Meniskus- und Innenbandverletzungen“, erklärt Dr. Arthur Praetorius, Sportwissenschaftler und DKG-Vorstandsmitglied – der das Programm mit entwickelt hat.
„Die Übungen aus dem STOP-X-Programm sollen vor allem verhindern, dass das Knie bei schnellen Fußballbewegungen in eine gefährliche X-Stellung gerät und dabei Kreuzband oder Meniskus verletzt werden“, sagt Schröter.
Das STOP-X-Programm umfasst mehrere strukturierte Übungseinheiten aus den Domänen Mobilität, Kraft, Bewegungskontrolle und Elastizität. Es wurde speziell für Sportarten mit einem erhöhten Risiko für Knieverletzungen entwickelt, darunter insbesondere Fußball. Die Übungen werden zu unterschiedlichen Trainingsmodulen kombiniert und können entweder als 15- bis 20-minütiges Aufwärmprogramm in das Mannschaftstraining integriert oder als individuelles Heimtraining durchgeführt werden. Das Angebot richtet sich an Einsteiger, Fortgeschrittene und erfahrene Sportlerinnen und Sportler.
Zentrale Übungen aus den vier Domänen für Fußballer sind:
Mobilität: Eine gute Beweglichkeit, insbesondere der Hüfte, ist die Grundlage für saubere und kontrollierte Bewegungen auf dem Platz. Deshalb gehören zu jeder STOP-X-Trainingsroutine Mobilitätsübungen wie Ausfallschritte, Hüftöffner oder kontrollierte Rotationsbewegungen, die den Bewegungsumfang verbessern und Fehlbelastungen vorbeugen sollen.
Kraft: Starke Muskeln entlasten das Kniegelenk. STOP-X enthält deshalb Übungen zur Kräftigung der Oberschenkelrückseite (Hamstrings), etwa Halteübungen und kontrollierte Beinbewegungen, sowie verschiedene Kniebeugen-Varianten. Sie stärken die Muskulatur rund um das Knie und können dazu beitragen, Verletzungen vorzubeugen.
Kontrolle: Das Knie wird besonders dann belastet, wenn Bewegungen unsauber oder unkontrolliert ausgeführt werden. Deshalb trainiert STOP-X gezielt die Stabilität von Rumpf, Hüfte und Beinen. Dazu gehören beispielsweise Gleichgewichtsübungen im Einbeinstand oder Bewegungsabläufe, bei denen das Knie bewusst in einer stabilen Position gehalten wird.
Elastizität: Fußball erfordert schnelle Richtungswechsel, Sprünge und abrupte Stopps. STOP-X trainiert diese Situationen mit Sprung-, Landungs- und Wendebewegungen. Zusätzliche Reize, etwa unerwartete Richtungsanweisungen, fördern die Reaktionsfähigkeit und helfen dabei, auch unter Zeitdruck kontrolliert zu bleiben.
Kommt es trotz Prävention zu einer Knieverletzung, gilt zunächst die sogenannte PEACE & LOVE REGEL:
PEACE (Sofortmaßnahme für die ersten 1 bis 3 Tage)
P - Protect (Schützen): Das betroffene Gelenk oder den Muskel ruhigstellen, um weitere Schäden zu verhindern.
E - Elevate (Hochlagern): Die verletzte Stelle über Herzhöhe lagern, um Schwellungen zu reduzieren.
A - Avoid anti-inflammatory (Entzündungshemmer vermeiden): Auf kühlende Maßnahmen und entzündungshemmende Medikamente verzichten, da natürliche Entzündungsreaktionen wichtig für den Heilungsprozess sind.
C - Compress (Kompression): Einen leichten Druckverband anlegen, um Schwellungen einzudämmen.
E - Educate (Aufklärung): Den Körper aktiv unterstützen und Überbehandlung vermeiden.
LOVE (Rehabilitationsphase ab Tag 4)
L - Load (Belastung): Eine schmerzfreie, schrittweise Rückkehr zur normalen Belastung starten.
O - Optimism (Optimismus): Dem Heilungsprozess positiv entgegensehen, da die mentale Einstellung die Genesung fördert.
V - Vascularisation (Durchblutung): Die Durchblutung durch leichte, schmerzfreie Bewegungen anregen.
E - Exercise (Übungen): Gezieltes Training zur Wiederherstellung von Kraft, Stabilität und Beweglichkeit durchführen.
Moderne Operationstechniken und Rehabilitationskonzepte ermöglichen heute zwar häufig eine Rückkehr in den Sport und können ein gerissenes Kreuzband weitgehend wiederherstellen. Dennoch bleibt ein Kreuzbandriss eine schwere Verletzung, die durch Begleitverletzungen oder eine anhaltende Instabilität des Kniegelenks die volle sportliche Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen kann.