

Starke Kinder, starke Zukunft! - so lautet das Motto des diesjährigen Weltkindertags am 20. September. "Das deckt sich mit der Arbeit von Ergotherapeut:innen, die im pädiatrischen Kontext arbeiten", zeigt sich Ergotherapeutin Heike Musa, DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) begeistert. Kinder, die eine ergotherapeutische Intervention verordnet bekommen, sind meist ebenso wie ihre Eltern von der Haltung, mit der ihnen Ergotherapeut:innen begegnen, angenehm überrascht. Und mehr noch: Sie selbst, ihre Eltern und auch das Umfeld erfahren, wie positiv sich die Arbeit dieser äußerst breit aufgestellten Fachdisziplin im Gesundheitswesen gerade auf Kinder und Jugendliche auswirken kann.
Eine wichtige Voraussetzung, um Kinder und Jugendliche stark zu machen, so wie es der Weltkindertag propagiert, ist, ihnen die nötige Unterstützung bei Schwierigkeiten zu gewähren. Machen Erzieher:innen und Pädagog:innen, die in vielerlei Hinsicht fachlich geschult sind, Eltern auf Dinge aufmerksam, die sie beobachten, lohnt es sich, diesen Hinweisen nachzugehen. Ergotherapeut:innen empfehlen Eltern, parallel ein Augenmerk auf ihre Kinder zu haben. Decken sich die Aussagen der Profis in Kindergarten, Kita oder Schule mit den eigenen Beobachtungen? "Es kann durchaus Abweichungen oder Unterschiede geben", führt die Ergotherapeutin Heike Musa an und weist darauf hin, dass nicht alle Schwierigkeiten auch bei häuslichen Situationen oder mit den Eltern oder anderen Familienmitgliedern auftreten. Motorische Entwicklungsverzögerungen, die sich beispielsweise auf die Stifthaltung - eine Voraussetzung für die Schreibfähigkeit und um in der Schule mitzukommen - auswirken, sind meist auch zuhause zu erkennen. Eine entsprechende Förderung sollte rechtzeitig vor der Einschulung stattfinden. Gleiches gilt für Probleme im Bereich von Aufmerksamkeit und Konzentration, was Eltern ebenfalls im heimischen Umfeld überprüfen können: wie fokussiert und wie genau arbeitet das Kind, lässt es sich leicht ablenken?
Ergotherapeutische Haltung als Gamechanger für Kinder und Jugendliche mit einer Problematik
Eine Thematik, die sich seit den Lockdowns in der Pandemie verstärkt zeigt, sind Schwierigkeiten im sozioemotionalen Bereich. Das bedeutet, dass es Kindern oder Jugendlichen schwerfallen kann, soziale Kompetenzen zu entwickeln, ihre Emotionen zu regulieren, empathisch zu sein und ihre Selbstwirksamkeit zu entfalten. Manche Kinder verhalten sich aggressiv oder "laut", andere sind extrem schüchtern, ängstlich und zurückhaltend und schaffen es häufig nicht, in Handlung zu kommen. Es fällt ihnen schwer, sich zu melden oder Beziehungen anzubahnen. "Es ist für Eltern nicht leicht zu erkennen, ob einem bestimmten Verhalten eine ausgeprägte Charaktereigenschaft oder vielleicht doch eine Problematik zugrunde liegt", erklärt die Ergotherapeutin Musa. Klärung, Unterstützung und Förderung sind hier ebenso zielführend wie in allen zuvor aufgeführten Fällen. Kinder- oder Kinderfachärzt:innen verordnen im Bedarfsfall beispielsweise eine ergotherapeutische Intervention. "Diese ist oftmals wegen der besonderen Haltung von Ergotherapeut:innen der Gamechanger", bestätigt Heike Musa. Geht es bei Kindern und Jugendlichen um ihre Defizite - werden sie also danach beurteilt, was sie nicht können - macht sie das klein. Bei Ergotherapeut:innen geht es zunächst um das, was sie können. Stehen Fragen nach Stärken, Interessen, Ressourcen und sonstigem Können im Vordergrund, fühlen sich Kinder und Jugendliche gesehen. In einer solchen Gefühlslage fällt es ihnen leichter, sich zu öffnen und über das, was ihnen nicht so gut gelingt, zu sprechen.
Mit ergotherapeutischer Unterstützung lernen Kinder und Jugendliche Probleme in Lösungen zu transformieren
Eine Methode, die diese Haltung widerspiegelt, ist das "Ich schaffs" Programm von Ben Furman. In fünfzehn aufeinander aufbauenden Schritten lernen Kinder und - mit leichten Anpassungen - Jugendliche, ein Ziel zu beschreiben. Das kann sein "nicht reinreden", "die Angst, auf den Schulhof zu gehen und andere Kinder anzusprechen überwinden" oder "mit dem richtigen Stift schreiben lernen" - was immer Kinder oder Jugendliche von einem Problem zu einer Fähigkeit umwandeln möchten. "Ergotherapeut:innen geben nichts vor: sie explorieren mit dem Kind gemeinsam die Themen und Anliegen und wählen dann die Schritte aus die nötig sind, damit das Kind die erwünschte Fähigkeit erlernt", beschreibt Musa eine ganz entscheidende Herangehensweise von Ergotherapeut:innen. Nach der "Theorie" gehen Kinder oder Jugendliche in die Erprobung: Was von dem, was besprochen wurde, klappt im (Schul-)Alltag schon? Funktioniert etwas weniger gut oder gar nicht, überlegen Ergotherapeut:innen zusammen mit dem Kind beziehungsweise der oder dem Jugendlichen nochmals, welche Alternativen es gibt. Eine Möglichkeit, um Fähigkeiten besser zu erlernen, ist, dass das Kind Menschen aus seinem Umfeld einlädt, es als Helfer:in zu unterstützen. Das Kind entscheidet also selbst: worum bitte ich meine Eltern oder ein Elternteil, meine Lehrer:innen oder wen auch immer; wen bitte ich, mit mir zusammen Ideen zu entwickeln? Das ist ein Wendepunkt: Im Unterschied zu "Eltern oder Lehrer:in greifen ein", bittet das Kind von sich aus diese Personen um Hilfe. Entsprechend der zuvor mit dem oder der Ergotherapeut:in besprochenen Vorgehen fragt das Kind beispielsweise die Mutter: "Kannst Du mich bitte immer nach dem Mittagessen an die Hausaufgaben erinnern oder fragen, ob ich alles fertig habe".
Ergotherapeut:innen beziehen Öffentlichkeit und Umfeld ...
Es ist ein Zeichen von selbstbestimmtem Handeln und Selbstständigkeit, andere zur Unterstützung heranzuziehen und ist das Gegenteil von der häufig üblichen Vorgehensweise erziehungsberechtigter Personen, dass diese ungebeten und - aus Sicht der Kinder und Jugendlichen - bevormundend nach Dingen fragen, die sie, nicht das Kind oder die Jugendlichen selbst, für wichtig halten. Dadurch empfinden sich Kinder und Jugendliche als selbstwirksam und entwickeln Stärke. Das Umfeld spielt eine ebenso zentrale Rolle wie die Eltern; es ist daher naheliegend, Lehrer:innen oder Erzieher:innen ebenfalls in die ergotherapeutische Intervention einzubeziehen. Es gibt eine Beratungsposition für ergotherapeutische Verordnungen, die das soziale und das häusliche Umfeld betreffen: Ergotherapeut:innen haben in Absprache mit Eltern und Kind die Möglichkeit, in das Umfeld des Kindes zu gehen. Das deckt sich mit einem Punkt aus dem "Ich schaffs" Programm, der vorsieht, die Menschen im Umfeld zu informieren, unter anderem auch darüber, welche Fähigkeit das Kind gerade erlernt. Und gleichzeitig zu schauen, wie verhält sich das Kind im Unterricht oder beim Spielen in Kindergarten oder Kita. Entsprechendes Feedback, und zwar ebenso für die Pädagog:innen wie für das Kind, bringt alle weiter. Zudem wirkt es sich ausgesprochen positiv auf Kinder und Jugendliche aus, proaktiv Dinge anzugehen oder anzusprechen. Das ist selbstbestimmt und verstärkt das wachsende Selbstvertrauen dieser Kinder und Jugendlichen und zeugt von deren zunehmendem Selbstbewusstsein.
... und ebenso die Eltern ein
Die Eltern sind von Anfang an und zu jeder Zeit Teil der Intervention. Sie werden ressourcenorientiert und wertschätzend mit ins Boot geholt. Sie haben die Möglichkeit, Einzeltermine ohne das Kind zu bekommen; Eltern können zu Beginn jedes Termins bei Ergotherapeut:innen dabei sein, sind es aber auf jeden Fall immer am Ende einer Behandlungseinheit. Die Kinder können dann dem Elternteil, das sie abholt zeigen, was sie gemacht haben und was gut geklappt hat. "Das sind zudem häufig Momente, um Modelllernen anzuwenden", bestätigt Heike Musa, die im Folgenden erklärt, wie dies funktioniert. Mitunter sind die Kinder am Ende einer Behandlungseinheit erschöpft, überdreht oder einfach nur "durch" und drehen dann nochmal besonders auf oder legen etwa impulsive Verhaltensweisen an den Tag. Das ist eine gute Gelegenheit für Ergotherapeut:innen, mit dem Kind zu interagieren und auf diesem Weg Eltern beobachten zu lassen, wie sie selbst sich in ähnlichen Situationen verhalten könnten. Loben und Anerkennen hat einen großen Stellenwert bei Ergotherapeut:innen und findet immer dann statt, wenn ein Erfolg - und sei er noch so klein - zu sehen ist. Ist das Ziel einer ergotherapeutischen Intervention erreicht, wird dieser wirklich große Erfolg gefeiert, sprich besonders gewürdigt. Loben und Würdigen ist im Übrigen für Eltern ebenfalls eine gute, die Kinder motivierende Verhaltensweise. Auch das das Programm "Ich schaffs" sieht vor: sich "feiern" und "feiern" lassen für alles Erreichte. Doch damit ist das Programm noch nicht zu Ende. Als vorletzten Schritt im Programm dürfen die Kinder die neu erworbene Fähigkeit einem anderen Kind beibringen. Das ist eine ganz besondere Auszeichnung und wer könnte entsprechend dem Motto des Weltkindertags besser gerüstet sein für eine starke Zukunft als diese Kinder und Jugendlichen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Gleichzeitig zählt Bewegungsmangel zu den größten beeinflussbaren Risikofaktoren. Anlässlich des Welt-Physiotherapie-Tages am 8. September 2026 macht Physio Deutschland darauf aufmerksam, wie wichtig regelmäßige Bewegung für die Herzgesundheit ist – und welchen Beitrag Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten leisten, um Menschen langfristig in Aktivität zu bringen.
Ob Treppensteigen statt Aufzugfahren, der tägliche Spaziergang oder ein regelmäßiges Bewegungsprogramm: Schon kleine Veränderungen im Alltag können positive Auswirkungen auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel haben. Wissenschaftliche Studien belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.
Bewegung schützt das Herz
„Was nicht gebraucht wird, verkümmert. Letztlich nicht nur die Muskeln, sondern auch das Herz- und Gefäßsystem“, erklärt Andreas Fründ, Physiotherapeut, ehemaliger Leiter der Abteilung Physiotherapie am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen, dem größten deutschen Herztransplantationszentrum, und langjähriger Leiter der Arbeitsgemeinschaft Herz-Kreislauf von Physio Deutschland. „Wir haben uns angewöhnt, im Alltag Bewegung zu sparen. Dabei können oft schon einfache Entscheidungen wie Treppe statt Fahrstuhl oder Fahrrad statt Auto einen Unterschied machen.“ Besonders tückisch sei, dass wichtige Risikofaktoren häufig lange unbemerkt bleiben. „Schwierig sind die stummen oder falsch interpretierten Signale“, sagt Andreas Fründ. „Bluthochdruck oder ein nicht optimal eingestellter Typ-2-Diabetes werden oft unterschätzt, obwohl sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen können.“ Fachgesellschaften empfehlen für Erwachsene nindestens 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche in moderater Intensität. Auch die Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstreichen die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität (Für Fachkräfte: Empfehlungen in der „ESC Pocke Guidelines-App“ verfügbar.)
Dabei kommt es nicht auf sportliche Höchstleistungen an, sondern auf Regelmäßigkeit. Besonders wirksam ist die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Geeignet sind beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen, ergänzt durch einfache Übungen zur Kräftigung großer Muskelgruppen. „Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation empfiehlt fünfmal pro Woche 30 bis 45 Minuten moderaten Sport. Ich nenne das ,laufen ohne zu schnaufen‘ “, erklärt Andreas Fründ. „Was dabei manchmal vergessen wird, ist das Krafttraining. Auch das sollte nicht vernachlässigt werden.“
Physiotherapie begleitet in ein aktiveres Leben
Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten unterstützen Menschen dabei, einen individuell passenden Weg zu mehr Bewegung zu finden. Ihr Ziel ist es, Menschen zu befähigen, dauerhaft körperlich aktiv zu sein – unabhängig davon, ob sie präventiv etwas für ihre Gesundheit tun möchten oder bereits Risikofaktoren mitbringen. „Die Physiotherapie unterstützt Menschen hin zur Aktivität. Wir sind die Bewegungsspezialisten. Wir erarbeiten mit den Patientinnen und Patienten Wege weg von der Therapie auf der Behandlungsbank hin zur Aktivierung“, betont Andreas Fründ. „Gerade Menschen, die lange keinen Sport getrieben haben, profitieren von einer professionellen Begleitung und einem schrittweisen Einstieg.“ Für einen erfolgreichen Start empfiehlt Physio Deutschland zudem, sich Unterstützung zu suchen und vorhandene Vorsorge- und Screening-Angebote zu nutzen.
„Ich finde es wichtig, dass man sich Verbündete sucht“, sagt Andreas Fründ. „Das können Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sein, aber auch Familie, Freunde oder Bewegungsgruppen. Das Tempo sollte so gewählt werden, dass man sich noch gut unterhalten kann.“
Anlässlich des Welt-Physiotherapie-Tags ruft Physio Deutschland dazu auf, Bewegung als festen Bestandteil des Alltags zu verstehen. Denn Herzgesundheit beginnt nicht erst in der Rehabilitation, sondern mit regelmäßiger Aktivität im täglichen Leben.
Ganzheitliche Handtherapie hilft nach Verletzungen oder Erkrankungen, Beweglichkeit, Kraft und Feinmotorik wiederherzustellen - für Alltag und Beruf.
Die Handrehabilitation ist eine spezialisierte Behandlung, die darauf abzielt, die Hand oder obere Extremität nach Verletzungen, Erkrankungen oder Fehlbildungen wiederherzustellen. Ziel ist die Rückkehr in Alltag und Beruf durch den Erhalt der Funktionalität.
Spezialisierte Fachkräfte für Ihre Hand
Handtherapeuten, oft Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten, kombinieren fundiertes Wissen über Anatomie, Physiologie und Pathologien mit praktischen Fähigkeiten. Sie berücksichtigen auch psychologische Aspekte, um Patienten optimal zu begleiten.
Vorteile der Handtherapie
Therapeuten entwickeln gemeinsam mit den Patienten individuelle Strategien für aktive Rehabilitation. Eigentherapie ergänzt die Praxisbehandlung, und Handtherapeuten fungieren als Bindeglied zwischen Ärzten, Chirurgen und anderen Fachkräften.
Ganzheitliche Behandlungsmethoden
Die Therapie betrachtet den gesamten Bewegungsapparat und das Nervensystem. Methoden umfassen manuelle Techniken, Narben- und Ödembehandlung, Spiegeltherapie, Schmerzmanagement und Stabilisationstraining.
Krankheitsbilder und Therapieziele
Behandelt werden Sehnen- und Bandverletzungen, Frakturen, Nervenverletzungen, Arthrose, Rheuma, Überlastungssyndrome, Narben nach Operationen und CRPS/Schmerzsyndrome. Ziel ist jeweils die Wiederherstellung von Beweglichkeit, Kraft, Sensibilität und Schmerzlinderung.
Fazit
Handtherapie unterstützt die vollständige funktionelle Wiederherstellung. Durch moderne, individuell angepasste Ansätze werden Patienten effektiv auf den Weg zurück in Alltag und Beruf begleitet.
Nicht der Schulranzen, sondern Bewegungsmangel und die zunehmende Nutzung von Tablets, Laptops und Smartphones belasten den Rücken von Kindern und Jugendlichen am stärksten. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zum Schulstart hin. Wer den Schulranzen oder Rucksack richtig trägt, im Sitzen regelmäßig die Haltung wechselt und den Schulalltag mit ausreichend Bewegung ausgleicht, kann Rückenschmerzen vorbeugen. „Schmerzen im Rücken entstehen häufig, wenn Kinder und Jugendliche über längere Zeit mit nach vorne geneigtem Kopf auf Tablet oder Smartphone schauen und sich im Alltag insgesamt zu wenig bewegen. Der Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad, Sport und Spielen nach dem Unterricht stärken Rücken- und Rumpfmuskulatur und sind der beste Schutz vor Rückenbeschwerden“, sagt der stellvertretende DGOU-Präsident Dr. Jörn Dohle.
Fünf Tipps der DGOU für einen gesunden Rücken im Schulalltag
1. Schulranzen richtig einstellen: Der Ranzen sollte zur Körpergröße passen, eng am Rücken anliegen und gut gepolsterte Schultergurte besitzen.
2. Immer beide Schultergurte nutzen: Einseitiges Tragen belastet Schultern und Wirbelsäule unnötig. Auch für Jugendliche ist ein Rucksack meist besser als eine Schultertasche.
3. Nur das Nötigste einpacken: Nicht benötigte Bücher und Materialien sollten zu Hause oder im Schließfach bleiben. Schwere Gegenstände gehören möglichst nah an den Rücken.
4. Bildschirmpausen einlegen: Beim Arbeiten mit Tablet oder Laptop regelmäßig aufstehen, die Haltung wechseln und den Blick vom Bildschirm lösen. Auch Smartphones sollten möglichst nicht dauerhaft mit stark gebeugtem Kopf genutzt werden.
5. Tablet richtig nutzen: Tablet und Laptop nicht auf den Beinen sondern möglichst auf Tischhöhe nutzen, regelmäßig aufstehen und die Haltung wechseln.
Der richtige Schulranzen entlastet den Rücken
Viele Eltern achten vor allem auf das Gewicht des Schulranzens. Aus orthopädischer Sicht kommt es jedoch in erster Linie darauf an, dass der Ranzen zur Körpergröße passt, eng am Rücken anliegt und immer mit beiden Schultergurten getragen wird. „Ein ergonomisch angepasster Schulranzen verteilt die Last gleichmäßig und ist für gesunde Kinder in der Regel kein Risiko für den Rücken. Viel wichtiger ist, den Ranzen regelmäßig richtig einzustellen, nur das mitzunehmen, was wirklich benötigt wird, und den Schulweg möglichst aktiv zu gestalten: zu Fuß oder mit dem Fahrrad“, sagt Prof. Dr. Thomas Wirth, Leiter der DGOU-Sektion Kinder- und Jugendorthopädie und -traumatologie.
Mit dem Alter verändern sich die Belastungen
Während Grundschulkinder meist ergonomische Schulranzen tragen, wechseln viele Jugendliche zu Schultertaschen oder Messenger-Bags. Gleichzeitig verbringen sie sowohl im Unterricht als auch zu Hause viele Stunden an Computern, Tablets und Handys. „Gerade Jugendliche unterschätzen häufig, wie sehr eine einseitig getragene Tasche oder eine dauerhaft gebeugte Haltung Nacken und Rücken belasten kann“, sagt Wirth. „Wenn möglich, sollten auch ältere Schülerinnen und Schüler einen Rucksack auf beiden Schultern tragen.“
Bewegung in den Schulalltag einbauen
Kinder und Jugendliche sollten Bewegung möglichst fest in ihren Tagesablauf einbauen. Schon der Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad, Treppensteigen statt Aufzugfahren oder aktives Spielen in den Pausen helfen, den Rücken zu entlasten. Nach den Hausaufgaben sorgen Toben, Ballspielen, Radfahren oder Vereinssport für einen wichtigen Ausgleich zu den vielen Sitzphasen im Unterricht. Auch beim Lernen gilt: Spätestens nach 30 bis 45 Minuten sollten Kinder aufstehen, sich strecken und ein paar Schritte gehen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten sich Kinder täglich mindestens 60 Minuten moderat bis intensiv bewegen.1 „Kinder müssen aber nicht jeden Tag Leistungssport treiben. Entscheidend ist, dass Bewegung selbstverständlich zum Alltag gehört und Sitzzeiten immer wieder unterbrochen werden“, sagt DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Bernd Kladny. „Schon viele kleine Bewegungseinheiten summieren sich und fördern eine gesunde Entwicklung des gesamten Bewegungsapparates.“
Tablets ergonomisch nutzen
Tablets gehören heute in vielen Schulen zum Unterricht. Damit sie den Rücken und Nacken möglichst wenig belasten, sollten sie auf einem Tisch liegen und eventuell mit einer Halterung leicht erhöht werden. So bleibt der Bildschirm auf Augenhöhe und der Kopf muss nicht dauerhaft nach vorne geneigt werden. Ein passender Stift kann zudem helfen, eine entspannte Sitzhaltung beizubehalten. „Die Körperhaltung bei der Nutzung des Tablets ist entscheidend für die Rückenbelastung“, sagt Kladny. „Wer den Bildschirm möglichst auf Augenhöhe positioniert, die Unterarme auf dem Tisch abstützt und regelmäßig Bewegungspausen einlegt, entlastet Nacken und Rücken deutlich.“
Rückenbeschwerden lassen sich meist vermeiden
Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sind nur selten auf den Schulranzen zurückzuführen. Häufig spielen eine unzureichend trainierte Rumpfmuskulatur, zu wenig Bewegung sowie langes Sitzen in einer ungünstigen Körperhaltung eine Rolle. Die DGOU empfiehlt Eltern, Bewegung möglichst selbstverständlich in den Familienalltag zu integrieren, etwa durch einen aktiven Schulweg, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder regelmäßige Sportangebote. Halten Rückenschmerzen über mehrere Wochen an, nehmen sie zu oder treten sie auch in Ruhe oder nachts auf, sollten sie orthopädisch abgeklärt werden.
Referenzen:
1) Eine Epidemie der Ungleichheit: Jugendliche aus einkommensschwachen Familien tragen höheres Risiko in Bezug auf Adipositas, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung